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Testmanagement in der Softwareentwicklung

Testmanager - wozu eigentlich?

Die Rolle des Projektleiters in einem Softwareentwicklungsprojekt ist vergleichbar mit einem Flugkapitän. Er gibt den Kurs vor, entscheidet bei Hindernissen, was zu tun ist und trägt die Verant­wortung für das Wohl und Wehe seines Fluggeräts. Damit er jedoch richtig entscheiden kann, braucht er alle notwendigen Informationen von seinem Team. Ohne sie wäre er hilflos. In diesem Artikel betrachten wir die Rolle des Testmanagers innerhalb eines Projektteams und welche Verantwortung und Aufgaben ihm obliegen.

Der Projektmanager

Bevor wir auf die Rolle des Testmanagers (TM) näher eingehen, noch ein Wort über die Rolle des Teamchefs. Wie auch der Kapitän in der Luft, kann ein Projekt­manager (PM) nicht völlig unabhängig entscheiden, was zu tun ist. Der Kunde bzw. der Auftraggeber gibt in der Regel sehr genau vor, was er wann und in welchem Umfang will.

Nach diesen Wünschen muss sich der Projektmanager richten, planen und steuern. Damit er das kann, braucht er Informationen über den Projektverlauf. Eine der ent­scheidenden Informationen ist dabei, die über die Qualität der Software. Genau hier kommt der Testmanager ins Spiel.

Vorbereitende und wiederkehrende Aufgaben des Testmanagers

Bevor die eigentlichen Testaktivitäten losgehen, hat der Testmanager bereits einiges zu tun. Durch Kickoff- und andere Meetings der Projektleitung sollte bekannt sein, welche Technologien eingesetzt werden, was der Business Case des Projektes ist und wie die vor- und nachrangigen Ziele des Projektes lauten.

Darüber hinaus muss dem Testmanager bekannt sein, welche personellen und infrastrukturellen Mittel zur Ver­fügung stehen. Die Fristen und das Budget sind weitere entscheidende Faktoren.

Wenn ihm all das bekannt ist, könnte man meinen, dass einer Planung nichts mehr im Wege stünde. Doch dann würde man etwas Entscheidendes übersehen. Der Erfolg eines Projektes hängt entscheidend davon ab, wie gut die Anforderungsdokumente sind, die für die Entwicklung und den Test vorliegen. Je mehr Freiraum diese zur Interpre­ta­tion bieten, desto größer ist die Gefahr, dass das Projekt scheitert. Test und Entwicklung sind daher gut beraten, diese Dokumente noch vor der ersten Zeile Quellcode einer ausführlichen Review-Phase zu unter­ziehen. Erst dann kann man sicher sein, dass alle dieselbe Sprache sprechen und wissen, wohin die Reise gehen soll.

Erst wenn das erledigt ist, kann eine sinnvolle Planung stattfinden. Dazu gehört u. a. die Erstellung eines Testplans, welcher wiederum in das ebenfalls zu erstellende Testkonzept einfließt. Darin wird u. a. festgelegt, was wie, aber auch was nicht getestet wird, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit getestet werden kann und welche Risiken existieren, die einen Test verhindern oder aufhalten könnten. So wie der Projektmanager mithilfe von beispielsweise MS Project einen Projektplan aufstellt, stellt auch der Testmanager einen Zeitplan auf ― in diesem Fall einen sogenannten Testprojektplan. An diesem orientiert er sich und steuert die Testaktivitäten. Wie auch der Projektplan, ist dieser stetigen Anpassungen unter­worfen, die sich durch den Testverlauf oder  auch durch den Projektverlauf insgesamt ergeben können.

Aufgaben des Testmanagers im Testteam

Während der Projektmanager der Chef für das gesamte Projekt ist, ist der Testmanager verantwortlich für das Testteam. Bei ihm laufen die Fäden der Testaktivitäten zu­sammen. Er steuert die Arbeiten durch Priorisierung und Bewertung der Testfälle mit Fokus auf die Projektprio­ritäten. Wie auch beim Projektmanager, muss auch hier der Informationsfluss gewährleistet sein. Das heißt, die Aktivitäten und die Ergebnisse des Testteams (Testergebnisse) müssen ihm vorliegen, damit er ggf. steuernd eingreifen kann. Man könnte auch sagen, dass der Testmanager der Projektmanager seines Testprojektes ist.

Um es mal plakativ auszudrücken: Die wesentliche Auf­gabe des Testmanagers ist die Kommunikation. Diese Rolle benötigt den ständigen Informationszufluss seitens der ausführenden Tester. Dies geschieht idealerweise mit einer Tool-Unterstützung. Diese sollte das Erstellen von Statistiken und Auswertungen mit Metriken ermöglichen.Doch nicht zuletzt ist auch der teaminterne Informations- und Meinungsaustausch wesentlich. Metriken und Statistiken bieten nur einen rein zahlenorientierten Eindruck von der Softwarequalität. Sie können aber nicht die Er­fahrung und den Eindruck eines erfahrenen Testers wiedergeben. Selbst wenn die Zahlen eine klare Sprache sprechen, so sollte ein etwaiger gegensätzlicher Eindruck des Testteams keinesfalls ignoriert werden. Im Gegenteil: Ein guter Testmanager hört im Zweifelsfall besser auf das Bauchgefühl seiner Teammitglieder – in der Regel behalten sie Recht.

Das Abholen von Informationen aus dem Team ist jedoch nur ein Aspekt. Tatsächlich erfolgt die Kommunikation auch in die andere Richtung. Nicht zuletzt dann, wenn vom Projektmanagement die Marschrichtung und somit die Projektpriorität geändert wird. Dann muss sich natürlich auch der Test neu ausrichten. Wurde beispielsweise entschieden, dass die externen Schnittstellen vordringlich fertigzustellen sind, so wäre es fatal, wenn die Testprioritäten weiterhin auf der Benutzeroberfläche lägen. In so einem Fall muss der Testmanager die Testprioritäten ver­lagern und neu ausrichten. Dasselbe gilt auch, wenn sich z. B. herausstellen sollte, dass die meisten Fehler in einem Subsystem auftreten, während in den anderen so gut wie keine Probleme auftauchen. Auch hier sollte er die Testressourcen entsprechend neu ausrichten. Somit können sowohl innere wie auch äußere Gründe dazu führen, dass die Testaktivitäten und der Testprojektplan angepasst werden müssen.

Aufgaben des Testmanagers außerhalb des Testteams

Der Testmanager ist eine der Schlüsselrollen für den Projektmanager. Sofern er nicht selbst Zugriff auf Test­managementwerkzeuge hat, erhält er die Informa­tionen über die Qualität der entwickelten Software nur vom Test­manager. Lägen dem Projektmanager diese Informa­tionen nicht vor, so könnte er nur schwer oder gar nicht ein­schätzen, wie es um sein Projekt überhaupt steht. In der Regel stellt sich erst im Verlauf eines Projektes heraus, wo die Haken und Ösen lauern und wo gegebenenfalls die größten Risiken bestehen. Erfährt der Projektleiter beispielsweise, dass die Benutzeroberfläche gute Fortschritte macht und qualitativ überzeugt, die funktionalen Tests der Schnittstellen jedoch mehrheitlich fehlschlagen, ist Handlungsbedarf geboten. Doch diesen Bedarf erkennt er nur, wenn ihm dies durch die Qualitätssicherung auch berichtet wird.

Ganz allgemein ist die Erstellung von Berichten eine wesentliche Aufgabe des Testmanagers. Meist reportet er jedoch nicht an den Projektleiter alleine, sondern auch an den Auftraggeber direkt. Oft kann dies zu Interessenskonflikten führen. Das muss natürlich nicht so sein, kommt allerdings durchaus vor. Hier müssen Projekt­manager und Testmanager ein gemeinsames Wording finden. Das bedeutet aber nicht, dass das Qualitätsreporting in den Verantwortungsbereich des Projektleiters übergeht. Zusammen mit dem Projektleiter und einem etwaigen Releasemanager wird die Softwarequalität bewertet. Das Ergebnis mündet in einem Handlungskatalog, der festlegt, wie weiter vorgegangen wird. Darin werden z. B. folgende Fragen beantwortet:

  • Was muss getan werden, damit sich die Situation verbessert?
  • Ist der gegenwärtige Zustand der Software geeignet, um damit produktiv zu gehen?
  • Wie können wir vermeiden, dass in Zukunft eine vergleichbare Situation eintrifft?
  • Welche Risiken sind eingetreten oder könnten bald eintreten?
  • Gibt es neue Risiken oder sind alte Risiken so unwahrscheinlich geworden, dass sie gestrichen werden können?

Fazit

Wie dieser Artikel dargestellt hat, handelt es sich beim Testmanager um eine vielschichtige Rolle. Technische wie auch unternehmenspolitische Aspekte fließen in die Aufgaben des Testmanagers mit ein, sodass die Aufgaben stets anspruchsvoll bleiben und eine große Flexibilität verlangen. Eine der wesentlichen Eigenschaften, die ein Testmanager neben der fachlichen Kompetenz immer mitbringen muss, ist und bleibt aber die Kommunikationsfähigkeit.

In unserem zweitägigen Seminar „Testmanagement Grundlagen“ [2] werden die Aufgaben und Verantwortlichkeiten des Testmanagers im Detail betrachtet. Besonders für Projektmanager ist dieses Seminar interessant, um einmal die Perspektive der spezialisierten Teamrolle des Testmanagers einzunehmen. Tester hingegen können sich einen Überblick darüber verschaffen, welche Aufgaben sie erwarten, wenn sie diesen Karrierepfad begehen wollen.

Markus Meisenberg
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Impressum


Impressum der ORDIX® news 3/2015

Links


[1] Wikipedia „Qualitätssicherung“
[3] Webseite der Object Systems GmbH

Quellen


[Q1] Andreas Spillner, Thomas Roßner, Mario Winter, Tilo Linz,
Praxiswissen Softwaretest – Testmanagement, dpunkt.verlag, 4.,
überarbeitete und erweiterte Auflage, Mai 2014,
ISBN: 978-3-86490-052-5

Bildnachweis


© istockphoto.com | Scientist inspecting paper plane in laboratory