
Das IT-Magazin der ORDIX AG mit Fachbeiträgen zu Datenbanken, Unix und Java/XML.
Was lange währt, wird endlich gut". Das könnte das Motto für das PATROL 7 Release sein. Schon lange wartet die PATROL Fangemeinde auf die neuen Features dieses Releases. Hinter dem PATROL Central Release verbergen sich eigentlich mehrere Produkte und Komponenten. Die neuen Konsolen Clients heißen PATROL Central Operator - Microsoft Windows Edition und PATROL Central Operator - Web Edition; auf Serverseite stehen der PATROL Console Server und als eine Art Middleware der RTServer (Real Time Server).
Zusammengenommen sollen diese Produkte die klassische PATROL Konsole für Windows und Unix ablösen. Dies gilt allerdings momentan nur für die Operatorkonsole. Die Funktionalität der klassischen Entwicklerkonsole soll erst in einem späteren Release von PATROL Central zur Verfügung stehen. Aus diesem Grund sind die beiden klassischen PATROL Konsolen für Unix und Windows weiterhin verfügbar und im Lieferumfang enthalten.
Abb. 1: Die PATROL 7 Architektur besteht aus drei Ebenen. Neu ist die Zwischenschicht mit dem Console Server und den RT Servern.Allerdings beginnt für die klassische Konsole mit PATROL 7 auch der Abgesang. Während es dort für die Windows Plattformen weiterhin eine native Konsole gibt und geben wird, zeigen die Pläne von BMC auf, die Unix Konsole durch eine rein browserbasierte Konsole abzulösen. Wer also in der Zukunft von einem Unix Rechner aus mit PATROL arbeiten möchte, muss daher auf die Web Edition ausweichen.
Die "alte" PATROL Architektur bestand aus zwei Ebenen. 1. Aus den PATROL Agenten auf den zu überwachenden Rechnern und 2. aus der oder den PATROL Konsolen. Die Kommunikation zwischen den PATROL Konsolen und den PATROL Agenten erfolgte direkt über TCP/IP Verbindungen.
Bei PATROL 7 existiert nun eine zusätzliche, dritte Ebene. Diese Ebene ist als Zwischenschicht zwischen den zu überwachenden Systemen und den neuen Konsolen angesiedelt. Sie besteht aus dem PATROL Console Server und dem Common Object System (COS), einem neuen Kommunikationsprotokoll.
Der PATROL Console Server hat die Aufgabe, alle Anfragen, die von den PATROL Central Konsolen bzw. Clients gestellt werden, zu beantworten. Liegen die gewünschten Informationen nicht direkt auf dem Console Server vor, fordert er diese von den PATROL Agenten an und leitet diese dann an die Konsolen weiter. Events und Daten von den PATROL Agenten werden vom PATROL Console Server an die Konsolen weitergeleitet.
Weiterhin werden die sogenannten Management Profiles der Benutzer zentral im Console Server gespeichert. Der große Vorteil der zentralen Ablage ist, dass jeder Benutzer, unabhängig von welchem Rechner er arbeitet, immer das gleiche Management Profile verwenden kann. Da mehrere Benutzer mit dem gleichen Management Profile arbeiten können, vereinfacht dies die Administration erheblich. Zusätzlich übernimmt der Console Server die Aufgabe des Sicherheits- und Authentifizierungsservers.
Die Kommunikation der PATROL Komponenten erfolgt unter PATROL 7 nicht mehr direkt über eine TCP/IP oder UDP Verbindung, sondern über ein eigenes, objektorientiertes Kommunikationsprotokoll. Dahinter verbirgt sich ein gemeinsamer Namensraum, auf den die verschiedenen PATROL 7 Komponenten lesend und schreibend zugreifen können. PATROL Agenten verstehen seit der Version 3.5 COS.
Den Zugriff auf die Objekte im Common Object System und die Verteilung der Informationen zu den unterschiedlichen PATROL Komponenten werden durch die RTServer realisiert. Um diese Kommunikationskomponente redundant auszulegen, ist es möglich, mit mehreren RTServern, die auf unterschiedlichen Rechnern installiert werden, eine RTServer-Wolke zu bilden. In Umgebungen, bei denen PATROL Komponenten durch eine Firewall getrennt sind, ist es auch notwendig, mehrere RTServer zu installieren. Auf jeder Seite der Firewall wird dann ein RTServer installiert. Diese kommunizieren über einen fest definierten, frei geschalteten Port miteinander.
Nur für sich genommen ist die PATROL Central Konsole eine leere Hülle. Welche Aufgaben eine Konsole übernimmt, ist dann davon abhängig, welche Konsolenmodule geladen werden. Durch diese Technik ist die PATROL Central Konsole für zukünftige Erweiterungen offen, und es ist leicht möglich, weitere Produkte in die Konsole zu integrieren. Mit PATROL Central werden im Moment die beiden Konsolenmodule PATROL Central Operator - Microsoft Windows Edition und PATROL Central Administration - Microsoft Windows Edition ausgeliefert.
PATROL Central - Web Edition stellt die gleiche Funktionalität zur Verfügung wie die Windows Edition. Als Frontend wird hier allerdings ein Webbrowser genutzt. Dabei werden unter Unix bisher nur die Version Netscape 4.76 oder die englische Version 4.77 vorausgesetzt. Unter Windows werden der Internet Explorer in den Versionen 5.0, 5.5, 6.0 und Netscape in den Versionen 4.75 bis 4.77 unterstützt. Damit die Webbrowser mit PATROL Central arbeiten können, ist es notwendig, ein Java-Plugin zu installieren. Dies geschieht beim erstmaligen Aufruf der PATROL Central URL.
Abb. 3: PATROL Central – Web Edition, die neue webbasierte Konsole.Als Webserver werden unter Unix Apache der Version 1.3.26 und unter Windows der IIS (Version 4.0 für Windows NT und 5.0 für Windows 2000) verwendet. Unter Unix wird der Webserver auf den Installations-CDs mit ausgeliefert.
Ansonsten gilt das gleiche wie bei der Windows Edition. Die eigentliche Funktionalität der Konsole wird durch die geladenen Konsolenmodule festgelegt. Auch hier stehen im Moment die beiden Konsolenmodule PATROL Central Operator und PATROL Central Administration zur Verfügung. Im Zusammenhang mit dem PATROL Enterprise Manager steht auch die PATROL Central Alerts - Web Edition zur Verfügung.
Das Konsolenmodul PATROL Central Operator stellt die eigentliche Funktionalität der alten Operatorkonsole zur Verfügung. Wir finden hier die bekannten Funktionen, wie z. B. einen Rechner in die Konsole hinzuzufügen bzw. wieder zu entfernen, Knowledge Module zu laden oder zu entfernen und das Anlegen von Ordnern und grafischen Containern. Es sind hier aber auch Funktionen zum Verbinden mit dem Konsolenserver und zum Verwalten der Management Profiles zu finden. Mit dem Operatormodul lassen sich die Management Profile verwalten. In einem Management Profile wird gespeichert, welche Agenten und welche Knowledge Module in der Konsole angezeigt werden. Das Anlegen der Management Profile wird durch Wizzards unterstützt und ist daher sehr einfach. Mit dem Tree Control auf der linken Seite und der PATROL Main Map auf der rechten erinnert PATROL Central Operator sehr stark an die klassische Windows-Konsole. Auch die altbekannten Werkzeuge Event Manager und Agent Query finden sich in der PATROL Central Operator.
Abb. 4: Die "Common Tasks" des PATROL Central Operator TaskpadsMit dem Administrationsmodul lassen sich die Benutzerrechte verwalten. Bei den "alten" PATROL Versionen musste jeder Benutzer, der sich mit einem Agenten verbinden wollte, eine gültige Benutzer-Passwort-Kombination des Agentenrechners kennen. Dies ist mit dem Konsolenserver nicht mehr unbedingt notwendig. Im Konsolenserver gibt es eine sogenannte Impersonation Tabelle.
Abb. 5: Die "Common Tasks" des PATROL Central Administration Taskpads.Darin ist eine Verknüpfung zwischen den Benutzerkennungen des Konsolenservers und den Kennungen auf den Agenten Rechnern definiert. Somit ist auf den Agenten Rechnern nur noch eine Benutzerkennung für den PATROL Agenten notwendig. Welcher Benutzer sich mit dem Agenten verbinden darf, wird dann im Konsolenserver definiert. Die Pflege der Impersonation Tabelle erfolgt über PATROL Central Administration.
PATROL Benutzer mit bestehenden Wartungsverträgen können im Zuge dieses Vertrags kostenlos von ihren bisherigen Konsolen auf PATROL Central hochrüsten. Maßgebend ist die Anzahl der bisherigen Konsolenlizenzen. Wer also bislang 5 PATROL Konsolenlizenzen besessen hat, behält diese und kann dafür 5 PATROL Central Konsolen benutzen – unabhängig davon, ob in der Windows oder Web Edition. Interessant ist ebenfalls, dass eine Read-Only PATROL Central Operator in der Web Edition kostenlos erhältlich ist. Diese löst damit den (kostenpflichtigen) PATROL WebViewer ab.
Von der Installation über die Konfiguration bis zum Bedienen macht PATROL Central einen recht guten und stabilen Eindruck. Probleme und Fehler, die bei früheren PATROL Versionen schon das Installieren der Produkte schwierig gestaltet haben, sind bis jetzt nicht aufgetreten. BMC hat wohl gut daran getan, die Freigabe des Produktes etwas hinauszuzögern und durch ausgiebige Tests die Produktqualität zu verbessern. Ob sich dieser Eindruck mittelfristig auch in der Praxis bestätigt, muss sich jetzt allerdings erst noch herausstellen.
Auf jeden Fall ist PATROL Central eine interessante Alternative zur klassischen Operatorkonsole. Wer umsteigen möchte, hat auch keine großen Probleme, da die neue Architektur parallel zur alten aufgebaut und eingeführt werden kann und soll. Die klassische Konsole jetzt schon komplett aus vorhandenen Umgebungen zu entfernen, oder bei Neuinstallationen darauf zu verzichten, ist allerdings noch nicht möglich, da es für PATROL Central noch kein Konsolenmodul gibt, welches die Funktionalität der Entwicklerkonsole übernimmt.
ORDIX bietet zum Thema "PATROL Central" ein dreitägiges Seminar an. Wir laden Sie dazu ein, das Produkt genauer kennen zu lernen und erste praktische Erfahrungen zu sammeln. Informationen zu dem Seminar "PATROL Central" finden Sie im Internet unter http://training.ordix.de.
Holger Demuth (info@ordix.de).