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Das IT-Magazin der ORDIX AG mit Fachbeiträgen zu Datenbanken, Unix und Java/XML.

Squirrelmail – Open Source Webmail

Eichhörnchenpost

Vermutlich haben Sie schon einmal einen Webmailer genutzt. Sei es nun Freemail, Epost, GMX, Hotmail oder ein anderer Anbieter. Vielleicht haben Sie während Ihres Urlaubs in einem Internet Café mal eben eine Mail nach Hause geschickt. Vielleicht haben Sie auch bloß während der Kaffeepause im Büro nach privaten Mails geschaut. Was den meisten von Ihnen wahrscheinlich eher aus dem privaten Bereich bekannt ist, lässt sich auch sinnvoll im beruflichen Umfeld einsetzen. Deshalb möchten wir Ihnen in diesem Artikel das Open Source Projekt "Squirrelmail" vorstellen.

Warum gerade ein Webmailer?

Es gibt verschiedene Überlegungen, die den Einsatz eines Webmailers interessant oder gar notwendig machen. So benötigt der Benutzer für den Zugriff auf seine E-Mails lediglich den ohnehin vorhandenen Webbrowser und eine HTTP/HTTPS-Verbindung zum Webmail Server. Der Installations- und Wartungsaufwand auf dem Client entfällt komplett.

Aus diesem Grund ist der Benutzer auch nicht darauf angewiesen, mit seinem eigenen, speziell dafür eingerichteten Rechner auf seine Mails zuzugreifen. Er kann dies von jedem System aus machen, welches mit dem Webmail Server per TCP/IP (z. B. Internet) verbunden ist. Dies vereinfacht den Zugriff auf E-Mails und erhöht gleichzeitig die Flexibilität.

Warum Squirrelmail?

Es gibt viele gute Gründe, die für den Einsatz von Squirrelmail als Webmail Lösung sprechen. Es werden z. B. ausschließlich HTML 4.0 konforme Webseiten generiert, die mit jedem HTML 4.0 fähigen Browser dargestellt werden können. Auf JavaScript & Co. wird bewusst verzichtet. Squirrelmail ist zudem rein in PHP geschrieben und damit auf nahezu jeder Plattform lauffähig.

Des Weiteren ermöglicht das modulare Konzept der Software eine sehr flexible Anpassung an spezifische Anforderungen. Und zu guter Letzt entfallen auch die Lizenzkosten, da Squirrelmail als Open Source Projekt unter der GNU General Public License (GNU GPL) angeboten wird.

Voraussetzungen

Um Squirrelmail einsetzen zu können, bedarf es folgender Voraussetzungen:

1. IMAP Server
Squirrelmail beinhaltet keinen IMAP Server, sondern stellt lediglich ein Frontend für den Zugriff auf einen bestehenden Mailserver dar. Der IMAP Server selbst muss dabei natürlich nicht auf dem gleichen System laufen wie die Squirrelmail Installation.

2. SMTP Server
Zum Versand der mit Squirrelmail erzeugten E-Mail wird ein SMTP Server benötigt.

3. Webserver mit PHP Unterstützung
Für die Kommunikation mit dem Webbrowser des Clients und zur Interpretation der PHP Skripte wird ein Webserver mit PHP Unterstützung benötigt. Dabei wird eine PHP Version von 4.2.1 oder höher vorausgesetzt.

4. Browser mit Cookie Unterstützung
Für das Session Handling nutzt Squirrelmail Cookies. Diese müssen demzufolge in den Browsereinstellungen des Clients aktiviert sein.

Installation

Die Installation ist einfach und besteht aus zwei Schritten: Einspielen der Software und Konfiguration des Webservers. Sie wird nachfolgend für ein Unix System im Zusammenspiel mit dem Apache Webserver und einem Cyrus IMAP Server beschrieben.

Die aktuelle Version der Squirrelmail Software (1.4.2) ist in diversen Archiv-Formaten im Download Bereich der Projekt-Homepage erhältlich.

Dieses Archiv ist an geeigneter Stelle zu entpacken (in diesem Beispiel /opt/squirrelmail) und der Webserver für den Zugriff auf diesen Bereich zu konfigurieren (siehe Listing 1).

Alias /squirrelmail /opt/squirrelmail
<Directory /opt/squirrelmail>
	DirectoryIndex index.php
	Order deny,allow
	Allow from all
	AddType application/x-httpd-php .php
</Directory>
Listing 1: Auszug aus der httpd.conf.

Voraussetzung ist zudem, dass der Webserver mit PHP Unterstützung kompiliert bzw. nachträglich erweitert wurde.

Zu beachten ist dabei, dass der Benutzer, unter dessen Kennung der Webserver läuft, auf die Dateien unterhalb von /opt/squirrelmail lesend zugreifen darf.

Squirrelmail benötigt zwei Verzeichnisse, um variable Daten wie Benutzereinstellungen und Attachments zu speichern. Diese müssen für den Webserver schreibbar sein und sind sinnvollerweise von den statischen PHP Skripten zu trennen (siehe Listing 2).

mkdir –p /var/squirrelmail/data #Benutzereinstellungen
mkdir /var/squirrelmail/attachments   #Zwischenspeicherung
chown –R wwwrun /var/squirrelmail #läuft als Benutzer wwwrun
chmod 300 /var/squirrelmail/*       # Schreibzugriff reicht aus
Listing 2: Anlegen der beiden Verzeichnisse mit den Benutzereinstellungen, die Squirrelmail für die Verarbeitung variabler Daten benötigt.

Konfiguration

Die Konfiguration des Webmailers erfolgt über die Datei config.php im Unterverzeichnis /config. Sie kann von Hand oder über ein Menü editiert werden, wofür allerdings ein Perl Interpreter benötigt wird. Der Aufruf erfolgt über das Skript configure im Basisverzeichnis.

Das Menü selbst ist thematisch gegliedert und intuitiv zu bedienen. Um eine lauffähige Version zu erhalten, sind lediglich die Einträge für den IMAP- und den SMTP-Server im Bereich "Server Settings" sowie die Einträge für das "Data Directory" und das "Attachment Directory" im Bereich "General Options" anzupassen.

Anschließend können über den Punkt "D" (siehe Abbildung 1) automatisch passende Voreinstellungen für unterschiedliche IMAP Server erzeugt werden.

Administrationsmenü
Abb. 1: Das Administrationsmenü.

Alle weiteren Einstellungen innerhalb des Menüs dienen im wesentlichen optischen Anpassungen sowie der Konfiguration von LDAP Adressbüchern und der Aktivierung von Plugins (siehe Abbildung 2).

Konfiguration der IMAP Server Eigenschaften
Abb. 2: Konfiguration der IMAP Server Eigenschaften im Administrationsmenü.

Benutzung

Nach erfolgter Installation und Konfiguration sowie einem Neustart oder Reload des Webservers ist der Webmailer über die Adresse http://<mein.webmail.host>/squirrelmail/ erreichbar und der Benutzer kann sich bei aktivierten Cookies am System anmelden. Nach erfolgreichem Login (siehe Abbildung 3) kann der Anwender nun auf seine Mails zugreifen, Mails schreiben oder über den Link "Optionen" zahlreiche persönliche Einstellungen vornehmen.

Login
Abb. 3: Um auf seine Mails zuzugreifen und persönliche Einstellungen vorzunehmen, ist ein Login erforderlich.

Squirrelmail beinhaltet alle gängigen Funktionen wie sie von "normalen" E-Mail Clients bekannt sind, wie z. B.:

Wie sich Squirrelmail am Bildschirm präsentiert, zeigt Ihnen die Abbildung 4.

Squirrelmail
Abb. 4: Abrufen und Schreiben von E-Mails ist genauso möglich, wie das Einrichten von Filtern und Adressbüchern.

Plugins

Der Kern der Squirrelmail Software bietet bereits eine Vielzahl nützlicher Funktionen. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, das System durch Plugins zu erweitern. Derzeit stehen 174 dieser Plugins zum Download zur Verfügung. Das Einspielen eines Plugins beschränkt sich in den meisten Fällen auf das Entpacken des zugehörigen Archivs in den Unterordner plugins sowie der anschließenden Aktivierung im Administrationsmenü.

Die kleine Auswahl nützlicher, u. a. bei der ORDIX AG eingesetzter Plugins in Abbildung 5 soll einen Eindruck über die Möglichkeiten vermitteln.

Plugin-Name Funktion
Calendar Integriert einen Kalender in die Squirrelmail Oberfläche, inklusive Terminverwaltung etc.
Quota Usage Zeigt die aktuelle Auslastung des Mail Quota grafisch an
Translate Übersetzt eine empfangene Mail mit einem Klick
LDAP Query Liefert ein Frontend zur Abfrage von Informationen aus einem definierten LDAP Verzeichnisdienst
Change Password Benutzer können ihr Mailpasswort innerhalb der Squirrelmail Oberfläche ändern
Mail Fetchmail Holt E-Mail per POP3 von beliebigen E-Mail-Servern ab
G/PGP Encryption Plugin PGP Verschlüsselung für E-Mails
Abb. 5: Übersicht über einige, nützliche Plugins.

Einschränkungen

Die größte Einschränkung des Systems gegenüber konventionellen Lösungen ist die fehlende Offline-Funktion. Es ist nicht möglich, ohne Zugriff auf den Server Mails zu lesen, geschweige denn zu bearbeiten oder zu versenden. Es gibt zwar ein Plugin (Archive Mail), das es ermöglicht, komplette Mailverzeichnisse als ZIP Archiv herunterzuladen. Dies eignet sich allerdings maximal zu gelegentlichen Archivierungszwecken, aber nicht für die tägliche Arbeit.

Des Weiteren wird zwingend ein IMAP Server benötigt. Ein POP3 Server ist für Squirrelmail nicht ausreichend.

Fazit

Squirrelmail ist bei der ORDIX AG seit mittlerweile zwei Jahren im Einsatz und erfreut sich steigender Beliebtheit. Viele Mitarbeiter nutzen dabei die beiden verschiedenen Systeme parallel.

In der Geschäftsstelle werden die E-Mails über den konventionellen Weg bearbeitet und im Außendienst wird die Möglichkeit genutzt, per Webbrowser von einem beliebigen, an das Internet angeschlossenen Rechner, über das Extranet Mails zu lesen und zu schreiben. Die Kommunikation mit dem Webmail Server erfolgt dabei im Übrigen nicht über http, sondern über eine sichere HTTPS-Verbindung.

Das Squirrelmail Projekt ist in den letzten vier Jahren regelmäßig bei www.sourceforge.net unter den 100 aktivsten Open Source Projekten gelistet und als sehr ausgereift zu bewerten. Die Software hat in den zwei Jahren Einsatz bei der ORDIX AG einen sehr soliden Eindruck gemacht und keine Fehler entdecken lassen.

Zu guter Letzt: Nein, es wurde auch nach der Einführung von Squirrelmail kein ORDIX Mitarbeiter gezwungen, während seiner Urlaubszeit regelmäßig ein Internet Café aufzusuchen, um ORDIX E-Mails zu lesen ;-)

Christof Amelunxen (info@ordix.de).