
Das IT-Magazin der ORDIX AG mit Fachbeiträgen zu Datenbanken, Unix und Java/XML.
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JIRA läutet das Ende des Chaos der „Zettelwirtschaft“ ein. |
JIRA ist eine webbasierte Anwendung, die auf jedem PC funktionsfähig ist, der einen Web-Browser besitzt. Das Lizenzmodell ist so ausgelegt, dass lediglich die Installation des JIRA-Servers kostenpflichtig ist. Anschließend können unbegrenzt viele Benutzer per Web-Browser damit arbeiten und unbegrenzt viele Projekte damit verwalten.
Für Open Source-Projekte besteht sogar die Möglichkeit, JIRA kostenlos zu nutzen. Es ist zu vielen Datenbanken kompatibel und somit für viele Projekte ein effizientes Werkzeug zur Fehlerverfolgung.
JIRA ist aber mehr als ein reines Bug-Tracking-Tool. Neben Fehlern können ebenso neue Funktionen, Aufgaben und Verbesserungsvorschläge erfasst werden. D. h. neben der Fehlerverfolgung unterstützt es auch das Projektmanagement. Man spricht hier von Vorgängen, die einen bestimmten Vorgangstyp (Bug, New Feature, Improvement oder Task) haben. Reichen die bereits vorhandenen Vorgangstypen nicht aus, lassen sich auch eigene Vorgangstypen erfassen.
Die leichte Bedienbarkeit und die vielfältigen Konfigurationsmöglichkeiten machen JIRA zu einem sehr interessanten Produkt im Bereich Bug-Tracking- und Projektmanagement-Tools.
Einer der großen Vorteile dieses oder ähnlicher Produkte ist ein vereinfachter und wenig fehleranfälliger Arbeitsablauf für die Kommunikation zwischen Anwendern, Testern und Entwicklern.
Anfragen können asynchron beantwortet oder auch an andere Benutzer weitergeleitet werden.
Der Einsatz einer Datenbank stellt sicher, dass keine Anforderungen übersehen werden oder verloren gehen, was in der heute häufig üblichen E-Mail-Flut oder „Zettelwirtschaft“ leicht passieren kann. Die Software bietet die Möglichkeit, Vorgänge durch vor- oder selbstdefinierte Filter zu kategorisieren. Damit sind sie schneller wiederzufinden.
Zum vollständigen Durchsuchen aller erfassten Vorgänge eines Projektes inklusive Kommentaren etc. steht eine Volltext-Suche zur Verfügung. Je nach Berechtigung, welche auf Benutzer- und/oder Gruppenebene vergeben wird, können Vorgänge in unterschiedlichem Umfang angeschaut oder bearbeitet werden.
Wie von einem kommerziellen Produkt zu erwarten, kann man bei Problemen zusätzlichen Support anfordern. Ebenso wird durch regelmäßige Updates und neue Releases ein stets aktueller Software-Stand gewährleistet. Im Folgenden werden die wichtigsten Funktionen und Abläufe vorgestellt.
Da nicht jeder Anwender dieselben Rechte besitzt, muss der Benutzer sich beim Start der Anwendung mit seinem Namen und seinem Passwort anmelden. Nach der Anmeldung gelangt man auf die Projektübersichtsseite. Jeder Benutzer kann diese an seine persönlichen Bedürfnisse anpassen, so dass er sich schnellstmöglich über den für ihn relevanten Status seiner Projekte informieren kann.
Angezeigt werden hier häufig u. a. selbstdefinierte Filter und Vorgänge, die einem Benutzer zugeordnet sind bzw. die er in Bearbeitung hat, relevante Berichte und allgemeine Projektstatistiken (siehe Abbildung 1).
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Doch wo kommen die Vorgänge her? Alle Vorgänge in einem JIRA-Projekt werden von den Benutzern/Testern angelegt. Das Recht dazu bekommen sinnvollerweise nicht alle Benutzer, sondern nur solche, die über einen ausreichenden Projektüberblick verfügen.
Dieses Vorgehen hat den Vorteil, dass insbesondere bei der Erfassung von Fehlern weniger Dubletten eingegeben werden. Wenn jeder Anwender/Tester Fehler erfassen darf, wird ein Großteil der Arbeit der Entwickler auch darin bestehen, Dubletten zu finden und ordentlich abzuschließen. Auf der Anwenderseite empfiehlt sich daher der Einsatz von „Super-Usern“ oder „Anwender-Managern“. Sie sammeln die Testergebnisse einer Anwendergruppe und arbeiten die Ergebnisse in JIRA ein.
Nun zur eigentlichen Anlage eines neuen Vorgangs. Hier wird zwischen Pflichtfeldern und optionalen Feldern, die je nach Fall auszufüllen sind, unterschieden. Es ist meist von Vorteil, so viele Zusatzinformationen wie möglich anzugeben. Denn gerade bei komplizierten, schwer reproduzierbaren Fehlern können bei fehlenden Angaben die Ursachen des Fehlers meist nur mit erhöhtem Zeitaufwand gefunden werden. Beispielhaft für eine schwer erkennbare Ursache sei hier eine unterschiedliche Java-Version oder ein unterschiedliches Betriebssystem auf dem Anwender-PC oder dem Server genannt.
Pflichtfelder bei der Anlage eines neuen Vorgangs sind standardmäßig:
Optionale und in jedem Fall nützliche Angaben sind:
Die Anzahl der Felder und die Unterteilung in Pflicht- und Kann-Felder kann projektspezifisch angepasst werden. Das ist in den meisten Entwicklungsprojekten auch sinnvoll. Ein Beispiel für die Anlage eines neuen Vorgangs zeigen die Abbildungen 2 und 3. Nach dem Anlegen kann der Vorgang weiterbearbeitet werden. In welcher Form ein Vorgang von einem Benutzer bearbeitet werden darf, legen die Benutzerrechte fest. Jeder Vorgang hat einen projektübergreifend eindeutigen Nummern-Schlüssel. Er lässt sich u. a. anhand dieser Nummer jederzeit wiederfinden. Bearbeiten eines VorgangsZu einem vorhandenen Vorgang (siehe Abbildung 4) können unterschiedliche Aktionen durchgeführt werden. Ein optimaler Workflow eines Vorgangs besteht neben dem Kommentar, was gemacht wurde, nur noch darin, dass der Vorgang abgeschlossen wird.
Dieser optimale Fall entspricht jedoch in den seltensten Fällen der Praxis. In der Regel werden Vorgänge kommentiert, einem anderen Benutzer zugeordnet, wieder kommentiert und wieder einem anderen Benutzer zugeordnet. Diese Schleifen werden so lange durchlaufen, bis alle Rückfragen geklärt sind und der Vorgang erledigt werden kann. Dabei kommt es auch vor, dass Vorgänge gar nicht umgesetzt werden. Im Laufe der Entwicklung hat sich möglicherweise ergeben, dass sie nicht mehr realisiert werden sollen, ihre Realisierung schon anderweitig erfolgte oder ihre Realisierung zu aufwändig ist, so dass man darauf verzichtet. Neben solch typischen Abläufen können auch Dateianhänge ergänzt und Verweise auf bereits vorhandene Vorgänge erstellt werden. Man kann die Priorität eines Vorgangs ändern, den Realisierungszeitpunkt verschieben oder den Bearbeiter ändern. Je nach Berechtigung lassen sich alle erfassten Felder innerhalb des Workflows anpassen. Vorgänge themenverwandter Projekte, die versehentlich in einem falschen Projekt erfasst wurden, lassen sich wahlweise in ein anderes Projekt verschieben oder gleich komplett löschen. Hier regeln wieder die Benutzerrechte den Zugriff auf die Aktionen. Neben den in JIRA standardmäßig enthaltenen Aktionen können auch neue eingefügt werden. Beispielsweise zur Veränderung eines Vorgangsstatus, um eine bestimmte Workflow-Kette abzubilden. Sortieren und Filtern von VorgängenNeben der Erfassung und Bearbeitung von Vorgängen gehört das schnelle Auffinden, Kategorisieren und Priorisieren zu den wichtigsten Funktionen eines Bug-Tracking-Tools. Um dies effizient zu lösen, besitzt JIRA sogenannte Filter. Diese filtern alle vorhandenen Vorgänge nach definierten Kriterien und stellen sie in einer Liste zusammen. Hier gibt es diverse Möglichkeiten. Vordefinierte Filter stehen jedem Benutzer zur Verfügung. Sie werden ihm z. B. in seiner Projektübersicht angezeigt. Typisch dafür sind folgende Filter:
Der Benutzer kann aber auch selbst Filter definieren. Jedes Feld innerhalb eines Vorgangs kann als Filterkriterium genutzt werden. Erweiterungen durch eine Volltextsuche in den Bereichen Kurzbeschreibung, Langbe-schreibung, Kommentare und/oder Umgebung sind ebenfalls möglich. Die Vorgänge lassen sich nach ihrem Erstellungsdatum, dem Datum der letzten Änderung oder dem Fälligkeitsdatum filtern (siehe Abbildung 5).
Persönliche FilterVerwendet der Benutzer eine erzeugte Abfrage häufiger, so kann er sie als persönlichen Filter speichern. Ist ein gespeicherter Filter nicht mehr aktuell, kann man ihn modifizieren, umbenennen, seine Beschreibung ändern oder auch als Basis für neue Filter nutzen. Dazu legt man eine Kopie an, die dann beispielsweise weiter spezialisiert wird. Neben der eigentlichen Filterung der Daten sind auch Layout und Sortierung der Ergebnisliste individuell konfigurierbar. Nicht mehr benötigte Filter werden gelöscht. Die durch Filter erzeugten Ergebnislisten sind die am häufigsten genutzten Ansichten für Projektleiter, Entwickler und Anwender/Tester. Sonstige Funktionen in JIRADrucken und Export Neben dem Erfassen, Suchen, Anzeigen und Bearbeiten von Vorgängen, kann man grundsätzlich jede Seite der Anwendung drucken. Die Ergebnislisten bieten die Möglichkeit einer speziellen Druckaufbereitung. Diese kann explizit für die Liste erfolgen, aber auch für die Liste inklusive aller Details. Dieses Feature ist besonders für Besprechungen interessant, in denen nicht alle Teilnehmer die Möglichkeit eines Online-Zugriffs besitzen. Neben dem Drucken der Ergebnisliste ist es auch möglich, diese in eine Excel-Tabelle oder eine XML-Datei zu konvertieren und zu speichern. Massenbearbeitung Ein sehr hilfreiches Feature und eine große Arbeitserleichterung ist die Massenbearbeitung (Bulk Change). Sie ermöglicht dem Benutzer, gewisse Aktionen für mehrere Vorgänge gleichzeitig auszuführen, anstatt für jeden Vorgang einzeln. Beispielhaft sei hier das Verschieben von Vorgängen auf eine spätere Version genannt. Ausgangspunkt ist hier eine gefilterte Liste, die mindestens alle Vorgänge anzeigt, die gleichzeitig verarbeitet werden sollen. In dieser werden dann alle relevanten Vorgänge für die Massenverarbeitung markiert. Folgende vier Schritte sind für eine Massenverarbeitung notwendig:
Alle noch nicht bearbeiteten Vorgänge einer Version lassen sich damit schnell und einfach beispielsweise in eine spätere Version verschieben. E-Mail-BenachrichtigungDamit ein Benutzer nicht permanent JIRA aufrufen muss, um zu sehen, ob neue oder geänderte Vorgänge für ihn vorliegen, kann er die im Programm vorhandene E-Mail-Benachrichtigungsfunktion nutzen. Generell ist es möglich, über alle Ereignisse im System E-Mails zu verschicken. Hier bietet das Tool sogenannte Benachrichtigungs-Schemata an, mit denen der Administrator konfiguriert, welche Ereignisse oder Zustandsänderungen der Vorgänge zu melden sind. Jeder am Prozess beteiligte Benutzer wird so über den aktuellen Bearbeitungszustand informiert. WatchesIn Zusammenhang mit der E-Mail-Benachrichtigung sind auch Watches zu nennen. Benutzer, die nicht an einem Prozess beteiligt sind, werden im Normalfall auch nicht per E-Mail über dessen Bearbeitungszustand benachrichtigt. Besteht dennoch ein Interesse daran, informiert zu werden, registriert man sich für einen Vorgang als Beobachter (Watcher) und wird dann ebenfalls über Veränderungen des Vorgangs informiert. CVS-EinbindungDie Einbindung des Concurrent Versions System (CVS) erleichtert es einem Projektmanager, zu erkennen, wie weitreichend die Bearbeitung eines Vorgangs tatsächlich war. In JIRA lassen sich diverse CVS-Repositories anmelden. In diese stellen die Entwickler ihre Arbeitsergebnisse ein. Beim Einchecken der Sourcen ins CVS muss der Entwickler nur die eindeutige JIRA-Nummer des Vorgangs angeben. Später kann man dann anhand einer Ansicht nachvollziehen, wann ein Entwickler aufgrund eines speziellen Vorgangs Änderungen am Sourcecode vorgenommen hat und wie umfangreich diese waren. VotesVotes bieten dem Benutzer die Möglichkeit, darüber abzustimmen, wie wichtig die Bearbeitung eines Punktes für ihn ist. Damit wird eine Detaillierung innerhalb der Prioritäten geschaffen. So kann ein Entwickler beispielsweise innerhalb der Menge der „Major“-priorisierten Vorgänge diejenigen bevorzugt behandeln, für die es am meisten Stimmen (Votes) gibt. FazitJIRA ist ein browserbasiertes, gut strukturiertes und leicht bedienbares Produkt, das die Effizienz beim Bug-Tracking und beim Projektmanagement sehr erleichtern kann. In diesem Artikel haben wir lediglich die wichtigsten Funktionen und Konfigurationsmöglichkeiten vorgestellt. Für detaillierte Informationen lohnt sich ein Blick auf die Internetseiten von Atlassian [1]. Haben wir Sie mit diesem Artikel von den Vorteilen überzeugt, sodass Sie Ihr Bug-Tracking nun gerne auf JIRA umstellen möchten? Gerne helfen wir Ihnen bei der Einführung von Jira. Auch für weitergehende Fragen stehen wir Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung. Tanja Bodem (info@ordix.de). |