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ORDIX News Archiv

Das IT-Magazin der ORDIX AG mit Fachbeiträgen zu Datenbanken, Unix und Java/XML.

Erfahrungsbericht über eines der mächtigsten Open Source Content Management Systeme (Teil I):

TYPO3: Content. einfach. vielfältig.

In dieser und der kommenden Ausgabe der ORDIX News wollen wir Ihnen TYPO3 detailliert vorstellen. Dieser Teil beschäftigt sich mit den umfangreichen Funktionalitäten von TYPO3. Im zweiten Teil werden wir eine exemplarische Installation von TYPO3 ausführlich behandeln.

Nach dem Ende des Hypes in der Internetbranche ist es auch um die Content Management Systeme (CMS) ruhiger geworden. Vorbei sind die Zeiten, in denen wöchentlich neue Anbieter mit immer „innovativeren“ Produkten um Kunden buhlten.

Neben einigen kommerziellen Produkten, von denen die Firma Red Dot wohl das Bekannteste anbietet, gibt es auch etliche frei verfügbare CMS, die sich auf dem Markt behauptet haben. Doch für welchen Einsatz ist welches System am effizientesten? Was kann man von den CMS erwarten und wer braucht sie eigentlich?

Hintergrund

Jeder Betreiber einer Internetseite sollte bestrebt sein, seine Kunden und Interessenten mit aktuellen Informationen zu versorgen. Darüber hinaus ist es wünschenswert, wenn diese Informationen in einem einheitlichen, klar strukturierten und ansprechenden Design präsentiert werden. Vielfach ist es sehr schwierig, die in einem Unternehmen anfallende Informationsflut so zu steuern, dass diese Basis-Anforderungen erfüllt werden.

Ab einer bestimmten Unternehmensgröße wird es also zunehmend schwieriger, den Kommunikationsprozess zwischen Redakteuren, Designern und Programmierern so zu koordinieren, dass die oben genannten Aspekte als gesetzte Ziele erreicht werden. - Auf den HTML-erfahrenen, programmierenden Systemadministrator mit abgeschlossenem Germanistikstudium, der diese Aufgabe im Alleingang erfüllt, trifft man in solchen Momenten recht selten. ;-)

Idee des Content Management Systems

Redaktionssystems
Abb. 1: Die verschiedenen Rollen eines
Redaktionssystems.Anwendungsarchitektur

Welche Idee liegt also näher, als die Prozesskette für alle Beteiligten zu vereinfachen und als Grundprinzip Design und Inhalt voneinander zu trennen. Die Redakteure erstellen also die Inhalte der Information, die Designer sorgen mittels Templates für die einheitliche Darstellung der Information nach außen und die Programmierer stellen den Betrieb und die Weiterentwicklung der Anwendung sicher (siehe Abbildung 1).

Damit ist dann die Idee des Content Management Systems geboren: Eine Software zur Verwaltung des Inhalts einer Webseite oder auch eines anderen Informationssystems.

Wirklich vielfältig?

In der Praxis gibt es neben der Forderung nach Aktualität und ansprechendem Design allerdings noch viele weitere Wünsche, die von einem CMS erfüllt werden sollen. Einige sind hier aufgeführt:

Ganz sicher fallen Ihnen noch weitere Anforderungen ein, die Sie sich wünschen würden. Hier trennt sich bei der Auswahl eines CMS oft die Spreu vom Weizen. Nahezu alle Systeme bieten zwar die Trennung von Design und Inhalt, jedoch bereits bei so wesentlichen Fragen wie der User-Verwaltung, der Mehrsprachigkeit und/oder der Abbildung von Redaktionsprozessen müssen viele Systeme passen.

Darüber hinaus zeigen sich viele Systeme hinsichtlich des umzusetzenden Designs nicht sonderlich kooperativ. Sie bestehen oftmals auf bestimmte Rahmenparameter und schränken damit die Gestaltungsfreiheit zum Teil signifikant ein. So unterstützen viele Systeme zum Beispiel keine Frame-basierten Seiten.

TYPO3: Richtig mächtig

TYPO3 ist eines der wenigen auf Open Source basierenden Content Management Systeme, welches die oben aufgeführten und noch viele weitere Anforderungen mit Bravour erfüllt:

Mehr als 620 Module und Extensions

Die Liste der Anforderungen ließe sich mit ähnlich einseitigen Antworten nahezu beliebig fortsetzen. Selbst wenn Sie ein Problem haben sollten, das nicht durch den Standardumfang abgedeckt werden sollte, so stehen Ihnen immerhin mehr als 620 Module und Extensions für die unterschiedlichsten Problembereiche zur Verfügung, die Sie zusätzlich in TYPO3 einbinden können.

Sie werden auch hier nicht fündig? Dann schreiben Sie sich Ihre Extension doch einfach selbst. Da TYPO3 auf PHP basiert und offene und gut dokumentierte Schnittstellen für weitere Extensions besitzt, steht Ihrem persönlichen Engagement nichts im Wege.

Performance

Besonders herauszustellen ist das interne Caching von TYPO3. Denn jenseits aller Features, die man gegebenenfalls vermisst, ist vielfach die Performance das größte Problem von Content Management Systemen:

Die Präsentation der angeforderten Inhalte erfolgt bei fast allen Systemen ausschließlich dynamisch. Das heißt, jede Anfrage nach einer Seite resultiert aus diversen SQL-Statements, die die Inhalte aus der Datenbank ermitteln, nach Grafiken im Dateisystem suchen und die benötigten HTML-Codes erstellen. Das kostet Zeit.

Schnellerer Seitenaufbau abgerufener Dokumente

Da sich aber nicht alle Inhalte permanent verändern, legt TYPO3 bereits einmal abgerufene Dokumente in einem internen Cache ab. Eine wiederholte Anfrage nach einem bereits „gecachten“ Dokument geht somit wesentlich schneller vonstatten. Denn die zu wiederholenden, performance-intensiven Arbeitschritte entfallen. Diese Funktionalität führt für den User zu einem deutlich schnelleren Seitenaufbau. TYPO3 dokumentiert alle Änderungen am Content und entfernt veraltete Inhalte unverzüglich aus dem internen Cache.

Inhaltselemente einer Webseite
Abb. 2: Inhaltselemente einer Webseite. Jede Seite kann nach Belieben aus einzelnen Komponenten kombiniert werden (vergrößern!).
Aufbau eines Web-Dokumentes
Abb. 3: Der Aufbau eines Web-Dokumentes. Diese Seite besteht derzeit aus drei Elementen zwei Textbereichen und einem Bild (vergrößern!).
Ergebnis
Abb. 4: Das Ergebnis - Im Browser präsentiert sich dieselbe Seite aufgrund der hinterlegten Templates in einem vollkommen anderen Gewand als im Bearbeitungsmodus(vergrößern!).

TYPO3: Bauklötze für den Web-Entwickler

Durch sein einzigartiges, modulares Konzept gewährleistet TYPO3 eine hohe Flexibilität bei der Erstellung von Webseiten, bei gleichzeitiger Integrität des Designs. Ähnlich wie bei Bauklötzen haben alle Komponenten einen genau definierten Aufbau mit spezifizierten Schnittstellen. Die einzelnen Steine haben zwar unterschiedliche Formen und Farben, dennoch passen Sie genau zueinander. Die Formen und Farben der Bauklötze hängen dabei von den Vorgaben der Template-Designer ab. Dieses Konzept möchten wir Ihnen am Beispiel einer Inhaltsseite (HTML-Seite) näher erläutern.

Aufbau eines Dokuments

Ein TYPO3-WebDokument kann aus mehreren Elementen bestehen (siehe Abbildung 2). Jedes Element erfüllt dabei eine spezielle Aufgabe. Es gibt Elemente die reinen Text, Text mit Bildern, Tabellen, Formulare oder andere Inhalte (Videos, Animationen, Sound, usw.) aufnehmen. Jede einzelne Seite kann aus diesen definierten Bausteinen zusammengesetzt werden. Die Reihenfolge und die Anzahl der genormten Bausteine kann von Seite zu Seite variieren (siehe Abbildung 3). Das Design bleibt durch die Normung der Bausteine einheitlich.

Durch die Vielzahl der Kombinationsmöglichkeiten ergibt sich für den Betrachter jedoch ein abwechslungsreiches Gesamtbild (siehe Abbildung 4), welches sich aber stets in das angestrebte, einheitliche Gesamtbild einpasst.

Offene Quellen sind kostenfrei!

TYPO3 und alle zugehörigen Komponenten stehen unter der GPL und sind somit kostenfrei erhältlich. Neben einer aktuellen Version von TYPO3 benötigen Sie einen WebServer (vorzugsweise Apache), eine MySQL-Datenbank und PHP. Durch die Wahl dieser Komponenten ist TYPO3 nahezu Plattform-unabhängig: Sowohl der Apache Webserver, als auch MySQL und PHP stehen für eine Vielzahl von Betriebssystemen zur Verfügung.

Klassischerweise werden die meisten TYPO3 Administratoren
ihr System jedoch auf einem Linux System installieren. Neben MySQL ist für die Zukunft auch die Unterstützung weiterer Datenbanksysteme geplant. An erster Stelle ist hier wohl Oracle zu nennen.

Für ganz Eilige, die noch keine der benötigten Komponenten auf ihrem Rechner haben, gibt es übrigens auch Installer-Pakete. Diese enthalten einen Apache-WebServer, eine MySQL-Datenbank und PHP [6].

TYPO3: Wirklich einfach?

TYPO3 kann zwar viel, ist deswegen aber nicht unbedingt schwer zu verstehen. In der nächsten Ausgabe der ORDIX News werden wir zeigen, dass eine erfolgreiche Testinstallation innerhalb weniger Minuten zu bewerkstelligen ist. Auf Grundlage eines TYPO3-Testsystems kann man bereits allein durch Probieren und dank der intuitiven Oberfläche eine ansprechende und funktionale Internetseite aufbauen.

Allerdings ist es unabwendbar, sich das eine oder andere Stündchen mit dem Lesen der Dokumentation zu vertreiben, sofern man sehr individuelle Anforderungen umzusetzen hat oder den Ehrgeiz an den Tag legt, das System in allen Einzelheiten ergründen zu wollen.

Doku nach Anwendungsbereichen

Erfreulich ist hierbei die Tatsache, dass das System sehr umfangreich in mehreren Sprachen beschrieben wurde. Ebenso lobenswert ist die Unterteilung der Dokumentation nach Anwendungsbereichen. So gibt es Anleitungen für Template-Designer, Redakteure und Entwickler, die aufgrund von vielen Abbildungen und Beispielen sehr einfach zu verstehen sind.

Darüber hinaus ist es eine wahre Freude, der TYPO3-Community Fragen zu stellen: Neben den äußerst umfangreichen FAQs (übrigens auch nach Sprachen getrennt) gibt es eine Fülle von Foren mit vielen begeisterten Teilnehmern, die in der Regel Fragen sehr freundlich, schnell und kompetent beantworten.

Fazit

TYPO3 ist ein sehr überzeugendes Content Management System. Es ist so umfangreich und flexibel zu konfigurieren, dass so manch kommerzielle CMS-Lösung dagegen „blass“ aussieht. Es ist immer wieder erstaunlich, mit wie viel Liebe zum Detail die einzelnen Funktionen realisiert worden sind.

Selbst für Open Source kritische Kollegen, die lieber eine Hochglanzpackung als geldwertes Äquivalent in ihr Regal stellen möchten, haben die Entwickler von TYPO3 eine Lösung parat. Unter [7] finden Sie ein Schnittmuster für eine Verpackung. Einfach auf einem Farbdrucker ausdrucken, ausschneiden und zusammenkleben :-).

Fortsetzung folgt

In einer der folgenden ORDIX News nehmen wir eine exemplarische Installation von TYPO3 vor und beschreiben diese detailliert. Insbesondere erörtern wir dabei die Erstellung eigener Templates und demonstrieren, wie man zusätzliche Extensions in das CMS integriert.

Matthias Jung (info@ordix.de).