
Das IT-Magazin der ORDIX AG mit Fachbeiträgen zu Datenbanken, Unix und Java/XML.
Open Source SoftwareUnter Open Source verstehen viele Leute sehr unterschiedliche Dinge. Generell kann man wohl sagen, dass zunächst mal der Quellcode verfügbar ist. Weiterhin ist mit einer bestimmten Lizenz geregelt, was man mit dem Quellcode machen darf. Meist besagt die Lizenz, dass man den Quellcode für eigene Zwecke modifizieren darf und das Programm einsetzen darf, solange man eigene Verbesserungen bei Produkten, die man selber vertreibt, wieder im Quellcode heraus gibt. Einen Überblick über die recht unterschiedlichen Lizenzen findet man unter: http://www.opensource.org/licenses/ Big Brother ist zwar im Quellcode verfügbar aber nicht uneingeschränkt frei verwendbar. Big Sister untersteht der GPL (GNU Public License) und kann damit ohne Lizenzgebühren in Produktionsumgebungen verwendet werden. |
Bereits 1996 begann Sean McGuire mit der Entwicklung des auf einem C-Programm und Shell-Skripten basierenden Produktes „Big Brother". Das Programm ermittelt den Status unterschiedlicher System- und Netzwerk-Komponenten und stellt diese Informationen auf einer Web-Seite dar. Über Status-Änderungen kann der Administrator per Mail oder SMS benachrichtigt werden.
Um die Limitierungen von Shell-Skripten zu umgehen, startete
der Schweizer Programmierer Thomas Aeby wenig später
die Entwicklung von Big Sister, einem eigenen, an Big Brother
angelehnten Produkt auf Basis der Skriptsprache Perl. Auch wenn
beide Produkte unabhängig voneinander weiterentwickelt wurden,
so liegt ihnen nicht nur das gleiche Konzept zugrunde. Sie sind
auch weitgehend kompatibel und können so gemeinsam eingesetzt
werden.
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| Abb. 1: Big Sister stellt den Status der überwachten Komponenten auf einer Web-Seite dar. |
Basis beider Produkte sind zentrale Komponenten, die die Kommunikation zwischen den Client- und den Server-Systemen übernehmen und die notwendigen Module starten und verwalten. Bei Big Brother ist dies ein in C geschriebenes Programm, das sowohl als Server als auch als Client betrieben werden kann. Bei Big Sister übernehmen verschiedene Perl-Skripte diese Aufgaben.
Die eigentliche Überwachung wird durch unterschiedliche Client-Module realisiert. Bei Big Brother sind diese meist in Form von Shell-Skripten, bei Big Sister durchweg in Form von Perl-Skripten realisiert.
Für die Darstellung der Meldungen oder die Weiterleitung als Mail sind Server-Module verantwortlich, die ebenfalls auf Basis von Skript-Sprachen realisiert wurden.
Da beide Produkte das gleiche Protokoll für die Kommunikation verwenden können, kann ein Big Brother Client die von seinen Modulen ermittelten Status-Meldungen auch an einen Big Sister Server senden (und natürlich umgekehrt).
Die verschiedenen Module haben definierte Schnittstellen zu den zentralen Komponenten, so dass jederzeit eigene Module integriert werden können. Die Überwachung lässt sich so flexibel an die Bedürfnisse des Betreibers anpassen.
Der offene Quellcode bietet zusätzlich die Möglichkeit, auch die zentralen Komponenten anzupassen.
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| Abb. 2: Die verschiedenen
Komponenten der beiden Produkte. |
Für beide Produkte ist eine Vielzahl an Client-Modulen verfügbar. So kann die Auslastung der CPU, der freie Platz auf den Dateisystemen oder die Anzahl der laufenden Prozesse überwacht werden.
Aber auch speziellere Anforderungen lassen sich mittels im Internet frei verfügbarer, kostenloser Module realisieren. Das können z. B. die Temperatur-Überwachung von CPUs oder der Zustand von USVs sein. Die Gültigkeit von SSL-Zertifikaten auf Webservern oder der Zustand von Veritas-Clustern kann ebenfalls ermittelt werden.
Neben Modulen zur System-Überwachung stehen für beide Produkte auch verschiedene Module zur Überwachung von Netzwerk-Diensten zur Verfügung. Neben der Überwachung von Web- oder Mail-Servern können auch Netzwerk-Dienste wie DNS oder SSH überwacht werden. Aktive Netzwerkkomponenten wie Switches oder Router können mit Hilfe eines SNMP-Moduls überwacht werden.
Für die von Ihnen zu überwachende Applikation steht noch kein Modul zur Verfügung? Natürlich kann man auch eigene Überwachungen realisieren, wozu dann allerdings Programmierkenntnisse in den verwendeten Skriptsprachen erforderlich sind. Durch den offenen Quellcode und die definierten Schnittstellen ist dies jedoch kein Problem. Hier stehen wir Ihnen gerne mit Rat und Tat zur Verfügung.
In der Grundversion der Programme werden eingehende Alarme auf Status-Webseiten angezeigt und zusätzlich per Mail versendet. Dabei sind beide Programme sehr flexibel konfigurierbar. So können die Mails in Abhängigkeit von der Tageszeit, dem betroffenen Rechner oder der betroffenen Komponente an verschiedene Mail-Adressen gesendet oder auch unterdrückt werden.
Zusätzlich können weitere Server-Module selbst programmiert und eingebunden werden, um so eine Weiterleitung an andere Management-Produkte zu ermöglichen.
Im Gegensatz zu Big Brother können die Agenten von Big Sister nicht nur Status-Informationen, sondern auch Performance-Werte an den Server übermitteln. Dieser generiert daraus auf Anforderung eine Zeitreihen-Grafik, mit der sich zum Beispiel die Auslastung der überwachten Systeme anschaulich darstellen lässt. Ausserdem profitiert Big Sister von der Plattformunabhängigkeit der Basissprache Perl.
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Auch wenn Open Source Software wie Big Brother oder Big Sister nicht den gleichen Funktionsumfang und Komfort wie kommerzielle Produkte erreichen, so haben sie doch einen entscheidenden finanziellen Vorteil bei den Lizenzen - auch wenn die ausschließliche Betrachtung der Lizenzkosten etwas blauäugig ist.
Die Basismodule für die wichtigsten Systemkomponenten werden gleich mitgeliefert und zusätzliche Module können den Anforderungen entsprechend ergänzt werden.
Gute Unterstützung erfährt man durch die jeweiligen „Communities" im Web. Einige Unternehmen (wie z. B. ORDIX) bieten aber auch Unterstützungsleistungen und Support-Verträge für diese Produkte an, so dass man bei der Einführung oder im Fehlerfall nicht alleine da steht.
Daher bieten diese Produkte den Unternehmen, deren IT-Landschaft nicht allzu groß ist, die Möglichkeit, eine sinnvolle und notwendige System- und Netzwerküberwachung zu realisieren und damit zur besseren Verfügbarkeit der IT-Systeme beizutragen.
Andreas Jordan / Michael Güting (info@ordix.de).