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Noch nie hat es um die Chess Classic Mainz einen Medienrummel in diesem Ausmaß gegeben! 2.500 Zuschauer vor Ort, unzählige Schachfans online auf nationalen, live berichtenden Schachseiten von Pakistan bis Uruguay, massenhaft Reporter und Kamerateams – sogar ein TV-Team aus Indien dokumentierte das Geschehen. Kurz gesagt: Die Rheingoldhalle platzte an den fünf Augusttagen sprichwörtlich aus allen Nähten.
"Nicht verwunderlich! Es waren immerhin 31 Großmeister aus den Top 100 der FIDE anwesend! Außerdem erwies sich Carmen Kass, Super-Model und Präsidentin des estnischen Schachverbandes, als besonderer Publikumsmagnet", kommentiert Hans-Walter Schmitt, Organisator der Chess Classic Mainz, seinen Erfolg.
Im Mittelpunkt des Interesses fand sich das ORDIX Open. Mit der sensationellen Teilnehmerzahl von 542 Spielern, darunter 156 mit FIDE-Meistertiteln, war es ein hochkarätiges Schnellschachturnier. Es schaffte einen Teilnehmerrekord, während viele andere Turniere über Teilnehmerschwund klagen.
Hier wird gegen die Besten der Besten gespielt – ein Kampf, aus dem der Vorjahresgewinner Alexander Grischuk erneut als Sieger hervorging. "Das gibt es selten, dass man solch ein starkes Turnier – dazu mit so vielen, starken Teilnehmern – zweimal in Folge gewinnt!" erklärte der Weltranglistensechste überglücklich.
Die Sensation des ORDIX Open 2005 bahnt sich bereits jetzt an: Der Open-Hattrick von Alexander Grischuk kann nur noch verhindert werden, indem er im nächsten Jahr gegen Viswanathan Anand spielt. Das wäre eine Herausforderung nach Grischuks Geschmack. Blieb er doch in den letzten beiden Jahren ungeschlagen und gab lediglich sechs Remis ab. Damit ist auch schon gesagt, dass ORDIX in 2005 zum zwölften Mal als Sponsor aktiv sein wird.
Besonders von sich reden machte Peter Swidler nach seinem Chess 960-Simultan an 20 Brettern. Mit Kommentaren wie "In einer Minute falle ich tot um!" oder "Das Simultan war unglaublich schwer, weil viele Gegner meine eigenen Züge nachmachten. Das war nicht fair!" hatte er sowohl die Sympathien als auch die Lacher auf seiner Seite. 17,5 : 2,5 Punkte, sechzehn gewonnene Partien, vier Remis und ein abgegebener Punkt waren das sehr gute Resultat Swidlers.
Alexei Schirow hingegen stellte sich seinen 40 Gegnern im klassischen Schach – ungewöhnlicherweise nicht nur in Weißpartien, sondern er spielte in der Hälfte der Kämpfe auch mit den schwarzen Steinen. Dass die Gegnerschaft bärenstark war, zeigt das Ergebnis: Er musste sich gleich in vier Partien geschlagen geben und kam auf 30,5 Punkte.
Das spektakuläre Duell war traditioneller Abschluss der Chess Classic Mainz. Diesmal trafen Viswanathan Anand und Alexei Schirow aufeinander. "Das Match war knapper, als es schien. Die zwei Fingerfehler von Alexei entschieden den Zweikampf zu meinen Gunsten. Fast alle anderen Partien waren irgendwie verrückt", so das Resümee des "Tigers von Madras", dem Sieger der Chess Classic Mainz. "Vishy ist einfach der Beste", musste auch der mit 5:3 geschlagene Schirow am Ende zugeben.
Welche Rekorde Hans-Walter Schmitt für das nächste Jahr anvisiert, und welche spektakulären Matches er plant, will er noch nicht verraten. Eins ist allerdings sicher: "Im nächsten Jahr wird Carmen Kass wieder dabei sein – auch wenn es mich ein geschenktes Schachmatt gekostet hat", grinst Schmitt ein wenig verschmitzt. "Man muss halt Prioritäten setzen: Ich habe keinen Moment gezögert, meinen 100.000-Dollar-Zug, wie ich ihn aufgrund des Werbewerts von Frau Kass nenne, auszuführen. Damit habe ich mir ihre Zusage für das nächste Jahr gesichert".
So ist es also gut zu wissen, dass sie im nächsten Jahr bedenkenlos noch mehr Zuschauer anziehen kann. Mit der geplanten Erweiterung der Rheingoldhalle steht einem neuen Besucherrekord nichts im Wege!
Sascia Brinkmann (info@ordix.de).