Paderborn, September 2005
Brutto oder netto oder was?
Jetzt läuft sie wieder, die Realsatire par Excellence:
Wahlk(r)ampf in Deutschland.
Das fängt schon damit an, dass sich jemand mangelndes Vertrauen aussprechen lässt. Und jetzt versucht derjenige vermutlich mit derselben Mannschaft wieder Vertrauen zu haben. Wobei man gar nicht weiß, wer eigentlich Minister in einer neuen Schröder-Regierung werden soll.
Doch was sind die Alternativen? Jemand, der Brutto von Netto nicht unterscheiden kann? Da hat der Patient "Wähler" also nur die Entscheidung, welche Krankheit für ihn besser ist: Leukämie oder Krebs?
Tatsache ist, dass sich ohne eine Steigerung der Nettoeinkünfte der Bundesbürger und einen damit verbundenen Konsumanstieg nichts ändern wird. Also ist jede Steuererhöhung - egal ob Mehrwertsteuer, Steuern für "Topverdiener" und auf welche abstrusen Ideen Politikergehirne sonst noch kommen mögen - Gift für eine Gesundung. Denn eine Steigerung der Gehälter (außer vielleicht für Vorstandsmitglieder der Deutschen Bank, Daimler Chrysler oder VW) kann sich ein Unternehmen heute kaum noch leisten.
Damit der normale Bundesbürger "Otto" 1 Euro an der Tankstelle ausgeben kann, muss er je nach Steuersatz, Krankenversicherung etc. zwischen 1,40 und 1,90 Euro Brutto (Achtung, Frau Merkel: Brutto!) verdienen. D. h. an Abgaben für Steuern, Rentenversicherung, Krankenversicherung, Pflegeversicherung und Arbeitslosenversicherung entrichtet er dann zwischen 29 und 49 Prozent.
Davon sind mindestens 21 Cent Steuern, ohne Solidaritätszuschlag. Gibt "Otto" seinen Euro beispielsweise an der Tankstelle aus, so zahlt er nochmal circa 76 Cent Steuern (Mineralöl-, Öko- und Mehrwertsteuer). Von den verbleibenden 24 Cent bezahlt der Tankstellenpächter wiederum seine Steuern. Somit hat der Staat schon nach dem ersten Umlauf mehr als einen Euro kassiert - und das für den einen "Netto Euro", den "Otto" aus seinem Gehalt in die Tasche stecken durfte.
Grandios! Wenn es für mich so einfach wäre, Geld zu verdienen, würde ich nicht mehr hier sitzen und mit meinen Steuern Freizeitunterhaltungsexperten fnanzieren, die Brutto von Netto nicht unterscheiden können. - Mit Schnellsprecher Scharping hatte die SPD übrigens auch schon jemanden, der anscheinend bei der Schulmathematik gepennt hat.
Da ich also meine Steuern bezahle, habe ich kein Häuschen auf Mallorca. Statt dessen habe ich für Sie wieder eine Reihe interessanter Artikel mitgebracht, die sich weniger mit Brutto und Netto beschäftigen - obwohl Sie Netto dabei sparen können ;-): So z. B. durch Serverkonsolidierung und den Einsatz von VMware (ESX Server), AIX und LPAR, oder durch weniger Arbeit dank neuer Kommandos beim Backup und Recovery mit dem RMAN unter Oracle 10g.
Daneben haben wir natürlich einiges Interessantes zum Thema Java (10 Jahre Java, Java in der [Oracle-]Datenbank) und zur Replikation mit MySQL. Ob man beim Einsatz von DB2 High Availability Disaster Recovery (HADR) sparen kann, wird man bei Eintritt des Desasters feststellen. Bei uns lesen Sie, wie Sie HADR installieren und konfgurieren.
Was für ein Desaster uns nach dem 18. September erwartet, werden wir früh genug erfahren. In diesem Sinne hoffe ich, dass Sie zumindest einen schönen Urlaub hatten und nun mit voller Kraft unseren Berliner Brutto-/Netto-Spezialisten helfen, die Wirtschaft anzukurbeln.

Wolfgang Kögler
PS: Für alle, die mir mitteilen wollen, dass Leukämie auch Krebs ist, sei gesagt: Ja, das weiß ich. So gesehen unterscheiden sich die beiden großen Parteien nur wenig, und eigentlich ist es egal, wen Sie wählen (oder haben Sie die 16 Jahre Kohl vergessen?). Wichtig ist nur, dass Sie wählen!