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ORDIX News Archiv

Das IT-Magazin der ORDIX AG mit Fachbeiträgen zu Datenbanken, Unix und Java/XML.

Die eSelect Suite, Teil VI:
Electronic Advisor: Lösungen für problemorientierte Beratung

Die eSelect Suite ist ein Framework zum universellen Einsatz in eBusiness Projekten. In Vorbereitung auf die komplexer werdenden Geschäftsprozesse, die insbesondere online abgebildet werden müssen, hat die Beteiligungsfirma der ORDIX, Object Systems in Essen, Komponenten realisiert, die die Konfiguration und den Vergleich von komplexen, variantenreichen Prozessen und Produkten unterstützen bzw. abbilden.

Dabei wird Konfiguration nicht nur als Zusammenstellen eines konkreten Produktwunsches (z. B. eines PCs) verstanden, sondern es wird noch einen Schritt weitergegangen und auf Basis der Konfigurationskomponenten die ziel- und problemorientierte Beratung eines Kunden ermöglicht.

EDV-gestützte Beratung eines Kunden

Der Kunde sollte nicht nur in die Lage versetzt werden, ein konkretes Produkt nach seinen Präferenzen zu konfigurieren, sondern gemäß seinen Zielen und individuellen Kundendaten ein Produkt, einen Tarif oder eine Strategie auszuwählen.

Die technische Abwicklung und die zugrunde liegenden Komponenten der eSelect Suite sind dabei in beiden Fällen gleich. Die Modellierung des Konfigurationsproblems bewegt sich lediglich auf einem abstrakteren Niveau. So kann das zu konfigurierende "Produkt" eben auch eine Anlagestrategie, ein Werbemedium oder ein Wertpapierportfolio sein.

Gerade im Bereich der Beratung werden meist nur sehr simple Lösungen abgebildet, bei denen die Menge der möglichen Lösungen feststeht und sehr begrenzt ist. Der Benutzer arbeitet sich durch einen vordefinierten Entscheidungsbaum.

Komplexe Beratungsprozesse können jedoch auf diese Weise nicht abgebildet werden, weil die große Menge der möglichen Beratungsergebnisse nicht vorab definiert bzw. gepflegt werden kann. Der Prozess ist dynamisch und hängt z. B. von aktuellen Marktbedingungen ab.

Ein System, das den komplexen und dynamischen Beratungsprozess abbilden kann, kennt "nur" die Basiskomponenten des Beratungsprozesses: Ein Parametersystem sorgt für die effektive Aktualisierung und ein Regelsystem sorgt dafür, dass nur gültige und erfüllbare Beratungsergebnisse gebildet werden, während der Kunde seine Wünsche und Ziele formuliert.

Lesen Sie zum Thema Regelsystem auch den Artikel "Die eSelect Suite, Teil V: SCSI-Festplatte nur in Verbindung mit SCSI-Controller! - Das Regelwerk der eSelect Suite" in der ORDIX News, Ausgabe 3/2003.

Im Folgenden werden Beratungs-Szenarios beschrieben, die auf Basis der Komponenten der eSelect Suite entworfen und ansatzmäßig als Prototypen umgesetzt wurden. Die Ergebnisse dienten als Evaluierungbasis in Kundenprojekten.

"Welche Anlageformen sind für mich die richtigen?"

Ziel dieses Systems ist z. B. die elektronische Unterstützung bei der Anlage und Optimierung von Kundendepots für Wertpapiere.

Beratungsprozess

Der Beratungsprozess beinhaltet die Basiskomponenten Kunde, Kundenportfolio und Aktie/Fond, deren Struktur in den Abbildungen 1 - 3 vereinfacht dargestellt ist.

Kunde

• Tätigkeit (Ausbildung, Angestellter, Selbstständiger, Rentner u. a.)
• Familienstand (Ehe, Kinder, u. a.)
• Besitz von Wertpapieren (Depots, Aktien und Rentenpapiere)
• Immobilien (Art, Wert, u. a.)
• Verfügbares Einkommen (monatliche Einnahmen und Ausgaben, Verfügbar)
• Liquidität
• Kapitalrücklage
• Altersvorsorge
Abb. 1: Die Struktur der Basiskomponente "Kunde".

Kundenportfolio

• Depotstruktur (Verhältnis Aktien:Renten)
• Risikoklasse des Kunden
• Rentenanlage
• Aktienwerte
• Depotsumme
Abb. 2: Die Struktur der Basiskomponente "Kundenportfolio".

Aktie/Fond

• Name
• Branche
• Kurs
• Riskoklasse (Kursrisiko)
• Volumen
• Bewertung
Abb. 3: Die Struktur der Basiskomponente "Aktie/Fond".

Schritt 1: Finanzstatus-Analyse

Der Kunde kann seine finanzielle Situation auf Basis der erfassten persönlichen und finanziellen Angaben analysieren lassen. Die Analyse seines Finanzstatus erfolgt bezüglich der Parameter Liquidität (L), Kapitalrücklage (K) und Altersvorsorge (A).

Das Analyseergebnis wird anhand eines Punktesystems bezüglich der Analysebereiche L/K/A ermittelt. Die Punktebewertung ist dabei nicht fest in der Anwendungslogik verdrahtet, sondern kann dynamisch angepasst werden. Ergebnisse werden anhand einer Punktetabelle mit Kundendaten auf der y-Achse und der Analysebereiche auf der x-Achse dargestellt.

Pro Analysebereich und je nach Punktezahl können die folgenden Ergebnisse ermittelt werden:

Ist Handlungsbedarf angezeigt, kann der Kunde wählen, ob er einen Einmalbetrag anlegen will oder ob er sein Depot umschichten möchte. Er gelangt zur Portfolio-Konfiguration.

Schritt 2: Portfolio-Konfiguration

Ausgangspunkt ist das bestehende Portfolio des Kunden. Bei der Anlage eines Portfolios wurden im Vorfeld die folgenden Grundlagen geschaffen:

1) Das System kennt die in Abbildung 4 gezeigten Anlagestrategien.

Liquidität:
Ertrag:
Wachstum:
Vorsorge:
80 – 100 % Rentenanlagen, 0 – 20 % Aktienwerte
50 – 80 % Rentenanlagen, 20 – 50 % Aktien
50 – 80 % Aktien, 20 – 50 % Renten
80 – 100 % Aktien
Abb. 4: Mögliche Anlagestrategien.

Für jede Strategie wird eine optimale Depotstruktur definiert, die dynamisch an Marktverhältnisse angepasst werden kann (z. B. Strategie Ertrag: 66 % Renten, 34 % Aktien). Es existieren Toleranzgrenzen bzw. Wertebereiche, innerhalb derer sich die Depotstruktur bewegen muss.

2) Jedem Kunden wird eine Risikoklasse zugeordnet.

Sicherheitsorientiert (1)
Konservativ (2)
Gewinnorientiert (3)
Risikobewusst (4)
Abb. 5: Die Einteilung der Kunden erfolgt in mögliche Risikoklassen.

Risikoklassen legen fest, welche Aktien/Fonds gewählt werden dürfen/können. Weiterhin ergeben sich aufgrund der Risikoklassen Einschränkungen für die dem Kunden zur Verfügung stehenden Anlagestrategien.

Der Kunde kann nun die aktuelle Strategie beibehalten oder eine andere wählen. Das System kann dem Kunden auch eine optimale Strategie vorschlagen bzw. der Kunde kann sich nach getätigter Konfiguration Alternativmöglichkeiten anzeigen lassen. Er kann Wertpapiere regelbasiert auswählen und abwählen. Dabei sieht er nur Wertpapiere, die seiner Risikogruppe entsprechen. Entsprechend den Änderungen werden die Auswirkungen auf die Analysebereiche L/K/A visualisiert (Finanzstatus-Tachometer).

3) Diverse Regeln (siehe Abbildung 6) garantieren die Gültigkeit und Richtigkeit einer Portfolio-Konfiguration.

• Depotstruktur muss der gewählten Strategie entsprechen (in diesen Grenzen liegen).
• Depotstruktur sollte der optimalen Depotstruktur entsprechen.
• Risikoklasse des Wertpapiers <= Risikoklasse des Kunden.
• Wenn eine Risikoklasse des Kunden <= 2, dann darf ein Einzelwert nicht mehr als 20 % des Gesamtvolumens ausmachen.
• Wenn eine Risikoklasse des Kunden > 2, dann darf ein Einzelwert nicht mehr als 35 % des Gesamtvolumens ausmachen.
• Fondsinkompatibilitäten (z. B. X-FondS nicht mit Y-Fonds).
• Papiere mit der höchsten Bewertung werden zum Verkauf vorgeschlagen.
Abb. 6: Mögliche Regeln für die Portfolio-Konfiguration.

"Welches Werbemedium ist für mein Vorhaben das geeignete?"

Ziel ist in diesem Beispiel die Schaffung eines virtuellen Marktplatzes, auf dem Medien aller Gattungen (Zeitschriften, Zeitungen, Außenwerbung, Hörfunk, TV, Online, Kino) geplant, gebucht und bezahlt werden können.

Beratungsprozess

Der Beratungsprozess beinhaltet als Basiskomponenten die Werbemedien und die Werbeprodukte. Die heterogene Struktur der Werbemedien ist in Abbildung 7 vereinfacht dargestellt.

Tageszeitung FAZ Konfiguration 1 Konfiguration 2
  Auswahl Preis Auswahl Preis
Format ¼ Seite 500 ½ Seite 900
Druck 4-farbig Preis von (Format)*2 =1.000 s/w 0 (kein Aufpreis)
Erscheinungstag Freitag 0 (kein Aufpreis) Samstag 1.000
Gesamtpreis   1.500   1.900
Abb. 7: Konfiguration von Werbeprodukten am Beispiel einer Tageszeitung.

Ein Werbeprodukt ist eine Werbefläche, die in den Werbemedien gebucht werden kann. Auf Basis der Attribute und Preise eines Werbemediums kann ein Werbeprodukt konfiguriert werden: z. B. eine ganzseitige, farbige Anzeige am Freitag in der Süddeutschen Zeitung.

Die Auswahl der Werbemedien erfolgt über einen Kategorie-Editor. Die Kategorien entsprechen den vorgegebenen Medienstrukturen. Oberkategorien wären also Fachzeitschriften, Tageszeitungen usw. Darunter fände man dann die einzelnen Produkte (z. B. unter Tageszeitungen: FAZ, WAZ, SZ usw.). Hier wählt der Nachfrager die Medien aus, bei denen er Werbung schalten möchte. Nach der Auswahl gelangt der Benutzer zur Konfiguration der Werbeprodukte.

Ein Nachfrager kann sich beliebig viele Werbeprodukte konfigurieren, diese für seinen Account persistent machen und die Vor- und Nachteile abwägen. In Abbildung 8 ist dies am Beispiel einer Tageszeitung vereinfacht dargestellt.

  • Mediengattungen
    • Fachzeitschriften
      • Formatangaben
      • Schaltungszeiträume
      • Buchungszeiten
      • Preislisten
    • Zeitungen
      • Formatangaben
      • Diverse Attribute
      • Preislisten
    • Plakate
      • Formatangaben
      • Soziodemographische Daten
      • Preislisten
    • Kino
      • Formatangaben
      • Verfügbarkeitstermine
      • Preislisten
Abb. 8: Die heterogene Struktur der Werbemedien.

Weiterhin werden konkrete Werbeprodukte (Konfigurationen) vom System vorgegeben. Damit können z. B. Restposten und Sonderangebote abgebildet werden, die vom Anwender nicht weiter konfiguriert werden können.

Hat der Nachfrager sich entschieden, kann er über das Portal die gewählten Werbemedien (bzw. Werbeprodukte) buchen.

Ein Nachfrager kann im Anbieterkreis von Werbemedien über das Portal eine Ausschreibung nach individuell gestaltetem Werbemedium bzw. Werbeprodukt starten. Ein Anbieter kann Ausschreibungen im Portal durchsehen und hat die Möglichkeit, über das Portal ein spezielles Angebot an den Kunden zu versenden.

Über die erfasste Struktur der Werbemedien können Regeln und Preisformeln gelegt werden. Der Nachfrager wird bei der Konfiguration auf diverse Sachverhalte hingewiesen und die Regeln garantieren, dass nur gültige Werbeprodukte konfiguriert werden. Abbildung 9 enthält eine kleine Auswahl von möglichen Regeln zum Thema 4-Farbdruck.

• Ganzseitige Anzeigen sind nur in 4-Farbdruck möglich.
• Samstags kein 4-Farbdruck möglich.
• Der Aufpreis für einen 4-Farbdruck ergibt sich aus dem doppelten Preis für das gewählte Format.
Abb. 9: Mögliche Regeln zum 4-Farbdruck.

Mit dieser Ausgabe der ORDIX News endet die Artikelserie zur eSelect Suite. Wir hoffen, Ihnen einen umfassenden Überblick über die Funktionalitäten der eSelect Suite und ihre vielfältigen Einsatzmöglichkeiten gegeben zu haben.

Bei Fragen zur eSelect Suite wenden Sie sich bitte an eselect@ordix.de. Wir beraten Sie gerne!

Manfred Lingk, Object Systems GmbH (eselect@ordix.de).