
Das IT-Magazin der ORDIX AG mit Fachbeiträgen zu Datenbanken, Unix und Java/XML.
Neben den rein technischen Aspekten gibt es noch einen weiteren Grund für den Plattformwechsel, der zur Zeit vielen IT-Abteilungen "zu schaffen" macht: Während vor ein paar Jahren Projekte noch mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Systemen realisiert wurden, geht man heute gerne den Weg der Serverkonsolidierung.
Anstatt "eigenständige" Systeme für die einzelnen Projekte einzusetzen, liegt es im Trend, viele Projekte in einem System unterzubringen. Dies soll neben den Infrastruktur-Kosten (Stellplatz, Strom, etc.) auch die Administrationskosten senken helfen.
Vor diesem Hintergrund ist es für die IT-Abteilung selbstverständlich, sich rechtzeitig nach anderen Lösungs-Plattformen umzuschauen. Die ORDIX AG hat bereits diverse Kunden in dieser Phase der Konsolidierung unterstützt - von der Ausarbeitung eines Konzeptes bis hin zu dessen späterer Realisierung. In diesem Artikel möchten wir unsere Projekterfahrung darstellen und beispielhaft den Werdegang eines Projektes von der Konzepterstellung bis zur Realisierung/Migration aufzeigen.
Dazu ein kleines Schaubild über eine mögliche Systemarchitektur vor der Migration (siehe Abbildung 1). Die Gesamtanwendung verteilt sich über sechs Standorte hinweg auf jeweils vier Cluster. Jedes Cluster besteht aus zwei Knoten mit insgesamt zwei Systemschränken und zwei Plattenschränken.
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| Abb. 1: Verteilte Infrastruktur auf 6 Standorte vor der Migration. |
Von Anfang an werden alle beteiligten Personen aus Entwicklung, Fachseite, Anwendungsbetreuung und Betrieb an der Ausarbeitung der zukünftigen Systemarchitektur beteiligt. Im ersten Schritt werden in mehreren Workshops die Anforderungen an die zukünftige Systemarchitektur erarbeitet und in einem Anforderungskonzept festgehalten. Im Vordergrund steht dabei natürlich vor allem der Kostenaspekt. Nachfolgend ein Auszug der wichtigsten Anforderungen:
Auf Basis dieser Anforderungen holte man zunächst von unterschiedlichen Herstellern (HP, IBM, SUN, Fujisu Siemens) sowohl konzeptionelle als auch preisliche Angebote ein. Mehrere Arbeitsgruppen analysierten und bewerteten die verschiedenen Angebote in Bezug auf die Erfüllung der Anforderungen.
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| Abb. 2: Infrastruktur nach der Migration. |
Nach Berücksichtigung der Kosten und der Anforderungskriterien erwählte man die in Abbildung 2 dargestellte Lösung als Plattform. Die Lösung basiert auf einer hochverfügbaren Systemarchitektur, bei der unter anderem auf die Redundanz sämtlicher Komponenten Wert gelegt wurde. Das Gesamtsystem wird über zwei Standorte verteilt. An jedem Standort sind zwei Brandschutzabschnitte berücksichtigt.
Diese Architektur beinhaltet pro Standort jeweils zwei Serversysteme und zwei Plattensubsysteme. Jedes Serversystem ist mit bis zu sechs Partitionen konfiguriert. Innerhalb des Standortes sorgt ein hochverfügbares SAN mit einer "dual fabric"-Struktur für die Anbindung der Plattensubsysteme an die Server.
Das Zusammenführen von mehreren Datenbanken zu einer erzielte eine Anwendungskonsolidierung von produktiven Datenbank-Anwendungen auf ein Drittel.
Jede der Anwendungen läuft nun auf einer Partition des Serversystems. Die einzelnen Partitionen erbringen die Performance von drei bisher eingesetzten Altsystemen "plus 30 %". Zum Sizing des CPU-Bedarfs wurden die SPEC-Werte der jeweiligen Systeme herangezogen. Dadurch ergab sich für die neuen Partitionen ein Bedarf von zwölf CPUs (im Vergleich zu den bisher benötigten 3x12 CPUs).
Bezüglich der Plattenanbindung hatte man darauf geachtet, die Controller über mehrere Systemboards einer Partition redundant zu verteilen. Dies erzielt eine bessere Lastverteilung und eine höhere Verfügbarkeit der Datenpfade. Ein Ausfall eines Systemboards führt somit nicht zu einem Ausfall der Plattenanbindung.
Für die dynamische Lastverteilung ist der Einsatz zusätzlicher Systemboards denkbar. Mit der "Enhanced Server Capacity on Demand" bietet sich die Möglichkeit, die Systeme mit zusätzlichen Komponenten auszurüsten, die später im laufenden Betrieb aktivierbar sind.
Als "Nachfolge-Produkt" für die bisherige 2-Knoten-HV-Software kommt nun ein acht bzw. sechs Knoten-Cluster zum Einsatz. So lassen sich bei Ausfall einer Partition die dort laufenden Anwendungen auf die restlichen, laufenden Partitionen verteilen.
Für die Umstellung auf eine neue Plattform genügt es nicht, nur die eigentliche Anwendung zu portieren. Auch die bisher eingesetzten Tools (Backup, Cronjobs, Überwachungs-Skripte, etc.) müssen an die neue System-Architektur angepasst werden. Allein der Einsatz einer neuen HV-Software führt dazu, dass ein Großteil der Skripte neu entwickelt wurde.
Im ersten Schritt erfolgte der Test der "Gesamt-Lösung" (inklusive Datenbank, Anwendung und HV-Software) auf einem gesonderten Abnahme-System "auf Herz und Nieren". Dann ging mit der Umstellung des Piloten das erste System der neuen "Lösung" in den Wirkbetrieb.
Nach dem erfolgreichen Pilot-Betrieb, konnten nun auch alle anderen Systeme umgestellt werden. Sowohl für den Roll Out (Anwendungs-Installation/Konfiguration) als auch für die Migration der Daten entwickelte das beteiligte Projektteam entsprechende Tools, damit die Daten und die Anwendungen innerhalb von drei Wochenenden quasi per Knopfdruck auf die neuen Systeme portiert werden konnten.
Nach jahrelanger Mitwirkung hatte das ORDIX-Team das Projekt auch in dieser Phase intensiv begleitet. Von der Konzeption, über die Auswahl und Einrichtung der neuen Lösung bis hin zur Migration der Anwendung unterstützen ORDIX Mitarbeiter den Kunden so, dass für ihn eine möglichst kostengünstige, hochverfügbare und effiziente Plattform realisiert werden konnte.
Antonio Salguero (info@ordix.de).