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ORDIX News Archiv

Das IT-Magazin der ORDIX AG mit Fachbeiträgen zu Datenbanken, Unix und Java/XML.

Serverkonsolidierung im Rechenzentrum mit dem VMware ESX Server –
Ein Erfahrungsbericht

Virtuelle Maschinen in der Praxis

In der Ausgabe 4/2002 stellten wir Ihnen die Produkte der Firma VMware vor. Anhand eines Projekterfahrungsberichts wollen wir Ihnen heute zeigen, wie Sie mit dem "VMware ESX Server", der High-End Variante der VMware Produktlinie, mehr Effizienz in Ihr Rechenzentrum bringen und damit die Betriebskosten deutlich reduzieren können.

VMware ESX Server

Der ESX Server ist das Flaggschiff der VMware Produktlinie. Es handelt sich hierbei um ein speziell für den Einsatz als VMware Server angepasstes Linux System, welches direkt auf der eingesetzten Hardware installiert wird.

Die Vorteile gegenüber dem GSX Server, welcher als "normale" Applikation auf einem gegebenen Betriebssystem installiert wird, sind insbesondere die bessere Performance sowie die erheblich erweiterten Möglichkeiten zur Ressourcenkontrolle.

Mit dem ESX Server lassen sich die Betriebskosten deutlich reduzieren, wenn Sie ...

  • großen Bedarf an Test- und Entwicklungssystemen haben.
  • z. B. in Schulungsumgebungen viele unterschiedliche Systeme zur Verfügung stellen müssen.
  • in einer heterogenen (Intel-)Systemlandschaft viele Einzelsysteme zu betreuen haben, die nur temporär ausgelastet sind.
  • räumliche Erweiterungen des Rechenzentrums durch die Konsolidierung vermeiden können.

Ausgangslage

Eine GP7000 mit SunOS 5.7 hatte fast drei Jahre als Datei- und Datenbankserver gedient. Jetzt aber rückte das Ende des Leasingvertrages immer näher und eine Ablösung des Systems stand bevor. Eine Entscheidung war zu treffen.

Alternativen

Für die Ablösung der GP7000 wurden drei Alternativen in Betracht gezogen:

  1. Ein neues SPARC-System (Primepower) mit SunOS 5.9
  2. Ein hochverfügbarer Linux Cluster mit zwei SUSE Linux Enterprise Servern 8
  3. Ein VMware ESX Server inklusive SUSE Linux Enterprise Server 8 als virtuelle Maschine

Die reinen Anschaffungskosten für die drei Varianten waren in etwa gleich, so dass andere Kriterien zur Entscheidungsfindung herangezogen werden konnten.

Die Entscheidung

Folgende Punkte waren ausschlaggebend bei der Entscheidung für den ESX Server:

Der Anteil der Windows Systeme an der Serverlandschaft ist in diesem Rechenzentrum (RZ) recht hoch (ca. 70 %). Die Entscheidung für den ESX Server sorgt dafür, dass deutlich mehr Systeme von der bevorstehenden Hardware-Investition profitieren können und nicht nur der File- und DB-Server. Das Management kann sich somit über einen besseren Return on Investment freuen und die Benutzer über bessere Performance, auch bei den Windows-Systemen.

Des Weiteren besteht ein hoher Bedarf an Testsystemen für unterschiedliche Einsatzgebiete. Bisher wurden zu diesem Zweck in der Regel ausrangierte Rechner "wiederbelebt". Dies ist allerdings mit hohem Aufwand verbunden und macht den Benutzern wegen der typischerweise nicht gerade zeitgemäßen Ausstattung auch wenig Freude.

Die räumlichen Kapazitäten im RZ waren zudem bereits weitestgehend ausgereizt. Eine Erweiterung der Systemlandschaft bedingte somit in naher Zukunft eine Ausweitung der Räumlichkeiten, was mit erheblichem Aufwand verbunden wäre.

Nebenbei konnten auch etliche Client-Lizenzen für die Notstromversorgung eingespart werden, da die virtuellen Maschinen keine eigene Anbindung an die USV benötigen.

Realisierung

Nach der Installation und Konfiguration des ESX Server wurde eine virtuelle Maschine als Datei- und Datenbankserver eingerichtet und mit dem SUSE Linux Enterprise Server 8 bespielt. Die ORDIX AG beriet und unterstützte bei der Installation des Basissystems sowie bei der Migration der Oracle Datenbanken und der mittels Samba bereitgestellten Anwenderdaten. Dabei wurde nebenbei auch gleich die Samba-Authentifizierung vom alten NT-Domain Controller auf das neue Active Directory umgestellt.

Nur drei Wochen nach der Lieferung der neuen Hardware konnte die alte GP7000 abgeschaltet werden. Der ESX Server läuft nun seit ca. 8 Monaten, wobei mittlerweile 9 physikalische Systeme in eine virtuelle Maschine umgewandelt wurden. Insgesamt laufen zur Zeit 13 virtuelle Maschinen auf dem Server (9 x Windows, 4 x Linux). Weitere Migrationen sind geplant, denn das System ist bei weitem noch nicht am Limit.

Was hat es gebracht?

Die Entscheidung für den ESX Server wurde zunächst nicht von allen Mitarbeitern des Rechenzentrums begrüßt. Skepsis gegenüber der neuen Technologie war deutlich zu spüren. Die guten Erfahrungen nach der Einführung haben jedoch mittlerweile dafür gesorgt, dass die Entscheidung sowohl vom Management als auch von den Administratoren durchweg positiv eingeschätzt wird.

Laut internem Controlling wurde eine Amortisierung der Investition bereits nach 6 Monaten bzw. nach Ablösung zehn physikalischer Systeme durch eine virtuelle Maschine erreicht. Von den Systemverwaltern hingegen wird insbesondere die neue Flexibilität geschätzt. Die Bereitstellung eines Testsystems reduziert sich z. B. nun auf ein paar "Klicks" in der Administrationsoberfläche.

Die andere Seite der Medaille

Natürlich hat auch die VMware-Medaille zwei Seiten. Es sollte bedacht werden, dass ein Ausfall des ESX Servers den Ausfall aller virtuellen Maschinen zur Folge hat. Das System muss also auf höchste Verfügbarkeit ausgelegt werden. Zum anderen muss im Zweifelsfall geprüft werden, ob die eingesetzten Betriebssysteme und Anwendungen vom Hersteller für den Betrieb in einer virtuellen Maschine freigegeben sind, um Supportansprüche geltend zu machen. Viele große Hard- und Softwarehersteller (z. B. IBM, HP, Microsoft, Oracle, ...) arbeiten jedoch bereits seit einiger Zeit mit VMware zusammen, so dass hier nur im Einzelfall Probleme auftreten sollten.

Fazit

Das vorgestellte Praxisbeispiel macht deutlich, dass durch den Einsatz eines VMware ESX Servers sowohl Kostensenkungen als auch erhebliche Effizienzsteigerungen realisiert werden können. Die Voraussetzungen waren in dem Szenario allerdings auch nahezu ideal. Ob sich diese Investition auch in Ihrem Rechenzentrum bezahlt macht, muss im Vorfeld sorgfältig analysiert werden. Die ORDIX AG unterstützt sie dabei gerne von der Kalkulation bis zur Realisierung.

Christof Amelunxen (info@ordix.de).