Home ORDIX AG             Dienstleistung             Trainingsshop    Kunden / Referenzen Aktuelles    Kontakt
Home  Pfeil  ORDIX News  Pfeil  4/2008
suche: 

ORDIX News Archiv

Das IT-Magazin der ORDIX AG mit Fachbeiträgen zu Datenbanken, Unix und Java/XML.



Rettungspakete


Dieses Mal hat es nichts mit Weihnachten zu tun: Das Schnüren von Rettungspaketen ist wieder in Mode. Gerhard Schröder hat 1999 zum ersten Mal ein Rettungspaket geschnürt (damals sollte der Holzmann Bauriese ein Darlehen der KfW über 150 Millionen erhalten). Kurzfristig hat das auch für erhöhte Popularitätswerte gesorgt, was sicher von Schröder und der SPD auch bezweckt war.

Jetzt kommen die Nachahmer: Im Portfolio sind das Bankenpaket (Eltern Peer Steinbrück und Angela Merkel) und eventuell die Opelrolle (Eltern Frank Steinmeier und Angela Merkel), über die just an dem Tag, an dem ich das hier schreibe, verhandelt wird. Frau Merkel, wie immer einen Tick zu spät, versucht aber gerade, bei der General Motors ..., pardon, Opel Rettungsaktion durch einen genialen Trick ("lege meinen Termin einfach vor den von Steinmeier") auf die Überholspur zu kommen.

Aber wozu? Nur um eine marode amerikanische Wirtschaft und die dort üblichen Praktiken zu retten. Die Fehler, die gemacht wurden, oder die katastrophale (Wirtschafts-)Politik der Bush-Administration macht man dadurch leider nicht ungeschehen. Im Gegenteil: Durch eine Opel (oder Ford) "Rettung" wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nur Geld in die völlig maroden US-Mutterkonzerne gepulvert, das innerhalb weniger Wochen wirkungslos verpufft sein wird.

Da erscheint doch der Vorschlag von Nikolaus Bollmann*), 46, Gelsenkirchen, drei Kinder, geschieden und von mehreren Banken als nicht kreditwürdig eingestuft (so wie sich die Banken momentan untereinander auch einstufen) wesentlich sinnvoller: Man verteile die 480 Milliarden € an ca. 20 Millionen Bundesbürger. Das sind dann rund 24.000 € pro Bundesbürger. Und zwar unter der Maßgabe (Bedingung des Rettungspaketes), sich dafür einen Opel Astra (Ford Fiesta, VW Polo ...) für 18.000 € zu kaufen, auf den man ja derzeit mindestens 3.000 € Nachlass erhält. Bei 20 Millionen Neufahrzeugen ist die deutsche Autoindustrie mindestens für 6 ½ Jahre gerettet und die Opelrolle überflüssig.

Mit dem restlichen Geld (9.000 €) wird durch Darlehen an Banken (3.000 €) bedürftigen Banken Bargeld zur Verfügung gestellt und anderen Branchen ein individuelles Rettungspaket geschnürt.

Nutznießer ist in jedem Fall der Staat, dem dadurch immense Steuereinnahmen zur Verfügung stehen und der sich deshalb auch den Top-Katalysator für die Krise in der Automobilindustrie spart: Das Schenken der KFZ Steuer für 2009. Die macht im Übrigen bei einem Fahrzeug der o.g. Klasse ungeheure 80 - 100 € aus. Bei diesem unglaublichen Anreiz habe ich sofort überlegt, 6 Autos zu kaufen, weil ich dann über die Nachlässe noch ein siebtes geschenkt bekomme und für die Steuerersparnis jedes einmal volltanken kann.

Leider kann man Kurt Tucholsky nicht in die Beratermannschaft der Regierung aufnehmen (statt Herrn Tietmeyer ). Tucholsky hat schon 1930(!) Weitblick gezeigt ("Wenn die Börsenkurse fallen" veröffentlicht in "Die Weltbühne").

Wem Tucholsky nicht als Weihnachtslektüre reicht, dem empfehle ich jetzt die Artikel dieser ORDIX News: Auch hier viele Anregungen für Politiker (Keine Angst vor Split-Brain: Neues zu DRBD, Mit Kennzahlen zum Projekterfolg, Braucht SOA eine neue Regierung? (SOA vielleicht nicht, aber ...)). Und daneben noch viele andere nützliche Dinge zum Thema Datenbanken ( MySQL, Oracle, DB2 und MS SQL Server), Betriebssystemen und Java Best Practice .

Bevor ich es vergesse, natürlich erfüllt Herr Bollmann auch die 500.000 € Sperrklausel für den Bezug des Rettungspaketes (mit seinen 4.120 € Bruttogehalt auch über 10 Jahre hinweg kein Problem). In diesem Sinne ein vergnügtes Weihnachtsfest und schauen wir mal, welche Branchen im Superwahljahr 2009 von Super-Merkel und Kollegen gerettet werden.

Wolfgang Kögler

PS: Vielen Dank an meinen Aufsichtsrat Herrn Raum für den Tucholsky Tipp. Sicher mit Abstand das Beste, was hier steht und auch im Vergleich zu dem, was in den letzten Monaten von unseren Politikern zum Besten gegeben wurde.

*) Name völlig frei erfunden