
| IPS Image Packaging System. Neues Paketverwaltungssystem, das unter anderem erlaubt, Software direkt über das Internet zu installieren. |
| Live-CD Bootfähige CD, von der aus ohne sonstige Installation ein Betriebssystem gefahren werden kann. |
| RBAC Role Based Access Control. RBAC ist ein Verfahren, womit definiert wird, welche Befehle mit zusätzlichen Rechten (z. B. Privilegien oder unter bestimmter Benutzerkennung) ausgeführt werden dürfen. |
| Profil Zusammenfassung von administrativen Kompetenzen, die dann einer Rolle oder einem Benutzer zugewiesen werden kann. |
| Rolle (RBAC) Pseudo-Identität, die mit Sonderrechten und -fähigkeiten im RBAC-Sinne ausgestattet ist. |
| Profil-Shell Spezielle Shell, in der die Sonderrechte einer Rolle berücksichtigt werden. |
| Slice Bezeichnet im Solaris-Jargon eine Partition einer Festplatte. |
| Branding Beim Anlegen von Solaris-Zonen kann zwischen verschiedenen Typen ("Brands") gewählt werden. |
OpenSolaris ist der offene Zweig von Solaris, der sowohl für Entwickler als auch für Desktop-Anwender zugeschnitten ist. Hier werden technische Neuerungen ausprobiert, die dann bei Marktreife in das nächste Solaris-Release einfließen. In diesem Artikel werden wir uns das OpenSolaris Release 2008.05 ("Indiana") näher ansehen und hierbei besonders die neuen technischen Errungenschaften beleuchten.
Die aktuelle Version 2008.05 von OpenSolaris ist nur für Intel-Plattformen zu haben. Es bietet aber vollständigen Zugang zu den bereits etablierten Funktionen von Solaris 10, wie Zonen, ZFS, DTrace, SMF etc. Unter [1] kann man sich gewissermaßen das Starterkit herunterladen. Es besteht schlichtweg aus einem ISO-Abbild, das eine Live-CD enthält.
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Die Installation verläuft sehr übersichtlich. Zuerst bestimmt man die Plattenbereiche, die für Solaris zur Verfügung stehen sollen. Dann wählt man Zeitzone, Sprachumgebung, Root-Passwort und Initialbenutzer aus.
Der Umfang der Erstinstallation ist durch das Medium CD deutlich geringer als bei Solaris. Weitere notwendige Software sowie Updates und Patches können aus dem Internet mit dem neuen IPS (Image Packaging System) nachinstalliert werden. Darauf gehen wir später noch näher ein.
Das neu installierte System macht einen frischen, modernen Eindruck (siehe Abbildung 1). Trotz des verhältnismäßig geringen Installationsumfangs - letztendlich ist das Dateisystem dann doch mit gut 2,3 GB belegt - werden viele Applikationen mitgeliefert, die speziell für den Desktop-Anwender interessant sind (GIMP, Spiele, Multimedia-, Mail- und Chat-Clients etc). Sun möchte dadurch die Attraktivität und damit die Popularität und Akzeptanz seines Betriebssystems steigern und Solaris als konkurrenzfähiges Desktop-System präsentieren - zumindest Letzteres ist durchaus gelungen!
Wir möchten in diesem Artikel hierauf aber nicht weiter eingehen, sondern uns mehr mit den Solaris-spezifischen Merkmalen und deren Neuigkeiten auseinandersetzen.
Die Einbindung in ein bestehendes Netzwerk findet automatisch statt. Hierzu dient eine neue Instanz des Dienstes "physical network interface" (svc:/network/physical:nwam, siehe Abbildung 2). Dieser startet den nwamd (network auto-magic daemon) und den DHCP-Client. Diese Vorgehensweise gilt übrigens auch für die Live-CD.
Auffallend ist zunächst die Umsetzung des Superusers als eine Rolle (im Sinne von RBAC). Eine Konsequenz ist, dass man sich nicht direkt als root am System anmelden kann. Daher muss bei der Installation ein weiterer Benutzer angelegt werden. Wie sich herausstellt, wird dieser initiale Benutzer von der Installationsroutine mit weitreichenden Sonderrechten ausgestattet. Durch die Zuweisung des unter Solaris vordefinierten Profils "Primary Administrator" und der Rolle root (siehe /etc/user_attr) ist er in der Lage, das System vollständig über die Kommandozeile zu administrieren! Dazu muss er entweder eine Profil-Shell starten oder dem gewünschten Kommando das Schlüsselwort pfexec voranstellen, um es dann im Kontext der zugeordneten Berechtigungen auszuführen. Alternativ kann man auch ganz klassisch per su in die Administratorrolle schlüpfen.
Mit dem neuen Installationsverfahren können (SVR4)-Pakete bequem und einfach über das Internet installiert werden. Hierzu gibt es ein graphisches bzw. ein kommando-orientiertes Werkzeug. Über so genannte "Authorities" werden (vertrauenswürdige) Paketserver gehandhabt. Um z. B. direkt vom bekannten Server Sunfreeware.com installieren zu können, muss der entsprechende Rechner konfiguriert werden (siehe Abbildung 3). Ebenso lässt sich auf einfache Weise ein komplettes System aktualisieren (siehe Abbildung 4). Schwachpunkte sind hier allerdings die mäßige Performance und eine bei anderen Systemen sonst übliche, hier aber leider fehlende Speicherplatzüberprüfung vor Installationsbeginn.
Über IPS werden wir sicherlich noch einmal ausführlich berichten, wenn sich abzeichnet, dass sich das System etabliert.
Beim Thema Zonen [3] stehen einige Grundsatzentscheidungen zur Diskussion, so dass hier noch nicht feststeht, wie es weitergeht. Z.B. wird als Standard-Branding einer Zone der Typ ipkg vorgegeben, deren Installation per IPS vorgenommen wird. Daher ist es erforderlich, während der Installation mit dem Internet verbunden zu sein (siehe Abbildung 5). Da die Zonen nicht mehr wie früher über die Globale Zone mit Software versorgt werden, treten Konzepte wie sparse- bzw. root-Zone in den Hintergrund. Die Installation der Zone ist damit unabhängiger von der globalen Zone.
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Hinter den Kulissen wird auch an den Feinheiten des Systems gearbeitet. Dazu gehört der weitere Ausbau der Dtrace-Provider sowie des Privilegienkonzepts und des Ressourcen-Managements.
ZFS ist zum Standard-Dateisystem geworden. Das heißt auch, dass das root-Filesystem vom Typ ZFS ist. Swap-Bereiche werden weiterhin direkt auf einem Slice abgelegt.
Eine Annäherung in Richtung Linux ist neben der offensichtlichen Desktop-Gestaltung und der Applikationsauswahl auch im Detail zu finden: so ist für root als Login-Shell die Bash voreingestellt und das Home-Verzeichnis ist nun (endlich!) /root.
In Solaris 11 wird es wohl nicht so viele Innovationen geben, wie es noch bei Solaris 10 der Fall war. Aber vielleicht ist es ja auch erst einmal an der Zeit, die letzten technischen Neuerungen auszubauen und zu stabilisieren. Insgesamt ist ein deutlicher "Ruck" in Richtung Linux spürbar. Das liegt sicherlich nicht zuletzt am Mitwirken von Ian Murdock, dem Mitbegründer von Debian [4]. Für weiterführende Infos empfehlen wir Ihnen unser Seminar "Solaris 10 für erfahrene Systemadministratoren" [5].
Roger Niemeyer (info@ordix.de).