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Dieser Artikel richtet sich an IT-Manager, IT-Controller und Projektmanager.

Glossar

Pareto-Prinzip
Das Pareto-Prinzip, auch "80-zu-20-Regel", "80-20-Verteilung" oder "Pareto-Effekt" genannt, beschreibt das statistische Phänomen, wenn eine kleine Anzahl (20 %) von hohen Werten einer Wertemenge mehr zu deren Gesamtwert beiträgt, als die hohe Anzahl (80 %) der kleinen Werte dieser Menge. Davon lässt sich auch ableiten, dass sich viele Aufgaben mit einem Mitteleinsatz von ca. 20 % so erledigen lassen, dass 80 % aller Probleme gelöst werden.

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IT-Projektcontrolling (Teil II):

Mit Kennzahlen zum Projekterfolg

Während wir uns im ersten Teil [1] mit den Grundlagen des Projektcontrollings beschäftigt haben, erörtern wir im vorliegenden Artikel Kennzahlen und Kennzahlensysteme. Dabei gehen wir auf die Frage ein, wie mit Hilfe von Controlling-Methoden aus Zahlen aussagekräftige Informationen gewonnen werden.

Hürden im Projektcontrolling

Kennzahl-Gruppe Kennzahl Code/Abk.
Budget Ausschöpfung BA
Reichweite BR
Ressourcen Anzahl Mitarbeiter MAZ
Auslastungsgrad MAA
Verfügbarkeit (Urlaub/Krankheit) MAV
Termine Bisherige Projektdauer (verbrauchte Zeit) PVZ
Noch erforderliche Projektdauer (Zeit) PEZ
Meilensteintermine M
Risiko-Management Anzahl Risiken RALL
Noch offene Risiken ROF
Fertigstellungsgrad Fachlicher Fertigstellungsgrad FFG
Kostenmäßiger Fertigstellungsgrad KFG
Zeitlicher Fertigstellungsgrad ZFG
Abb. 1: Beispiel für ein Kennzahlensystem.
Abb. 2: Trend im Projekt.
PC Planned Cost
AC Actual Cost
EV Earned Value
CPI Cost Performance Index
SPI Schedule Performance Index
SV Schedule Variance
CV Cost Variance
BAC Budget at Completion
EAC Estimated Cost at Completion
ETC Estimate to Complete
VAC Variance of Completion
PAC Plan At Completion
TAC Time At Completion
DAC Delay At Completion
Abb. 3: Abkürzungen aus der Earned Value Analysis (EVA).
Abb. 4: Earned Value Cockpit - EVA-Kennzahlen im Überblick. Vergrößern
Abb. 5: EVA-Verlauf "Fieberkurve".
Abb. 6: SPI/CPI-Verlauf.

Im ersten Teil dieser Reihe wurde bereits deutlich, dass es beim Controlling nicht um kontrollieren, sondern um regeln geht. Dabei wurden auch die Ziele und Aufgaben des strategischen Controlling, des Multiprojektcontrolling und des Einzelprojektcontrolling beleuchtet.

Im Rahmen des IT-Projektcontrolling stehen folgende Fragen im Vordergrund:

Dabei wird der Projektleiter meist durch einen Projektcontroller auf der Abteilungs- oder Bereichsebene im Unternehmen unterstützt.

Was sind eigentlich Kennzahlen?

Eine Kennzahl ist ein Indikator, der einen bestimmten Sachverhalt beschreibt. Üblicherweise eine absolute Zahl, ein Prozentwert oder ein Symbol wie z. B. der Ampelstatus in einem Projektstatusbericht. Dabei werden direkte und indirekte bzw. abgeleitete Kennzahlen unterschieden. Kennzahlen sind die Messstellen eines Projekts und unterstützen das Controlling bei der Steuerung.

Beispiele für direkte Kennzahlen sind:

Beispiele für abgeleitete Kennzahlen, also Verhältniszahlen, die als Prozentwert dargestellt werden, sind:

Darüber hinaus kennt man noch zeitbezogene Kennzahlen, z. B.:

Aus Zahlen werden Steuerungssysteme

Ein Kennzahlensystem ist eine konkrete, dem Steuerungsziel dienende Zusammenstellung von Kennzahlen. Abbildung 1 zeigt ein Beispiel für ein Kennzahlensystem.

Was konkret in einem Projekt mit Kennzahlen gesteuert werden soll, hängt vom Projekttyp und von der Zieldefinition ab.

Für kleinere Vorhaben reicht meist ein einfaches Kennzahlensystem mit maximal fünf Kennzahlen, für größere Projekte werden komplexere Kennzahlensysteme benötigt.

Pareto lässt grüßen

Sofern sich direkte Kennzahlen exakt bestimmen lassen, stimmen auch die von ihnen abgeleiteten Kennzahlen. Aber nicht alle Kennzahlen lassen sich messen oder genau bestimmen. Die ersten 80 % erhält man mit vertretbarem Aufwand. Anschließend noch viel Aufwand in die letzten 20 % zu investieren, bringt kaum Zugewinn - ganz nach dem Pareto-Prinzip.

Was ist messbar?

Viele Kennzahlen lassen sich messen, doch eine wichtige lässt sich meistens nur schätzen: der fachliche Fertigstellungsgrad. Wie ist der inhaltliche Projektfortschritt? Für die Ermittlung des fachlichen Fertigstellungsgrads gibt es folgende Lösungsansätze:

Auf Projektebene werden diese Einzelermittlungen kummmuliert und gewichtet. Zusätzlich oder auch alternativ lässt sich der Fertigstellungsgrad durch weitere Methoden ermitteln. In der Praxis verbreitete Methoden sind:

Wie aus Zahlen Informationen werden

Die Semantik einer Kennzahl ergibt sich aus dem Kontext. Der verantwortliche Projektcontroller muss wissen, wie er den Wert einer Kennzahl zu interpretieren hat. Daher sind Regeln und Definitionen für die Erhebung und Darstellung der Kennzahlen erforderlich.

Durch die Auswertung der Kennzahlensysteme im Projekt erhält man zu jedem Berichtszeitpunkt die Information zum Status des Projekts. Mindestens genauso wichtig ist jedoch die Betrachtung des Trends.

Hier spielt nicht nur die äußere Form des Berichtswesens eine wichtige Rolle, sondern auch die systematische Aufbereitung und Darstellung.

Zum Berichtszeitpunkt verwendet man üblicherweise eine tabellarische Darstellung der aktuellen Kennzahlen wie im o.g. Beispiel. Für die prognostische Darstellung werden z. B. die Fertigstellungsgrade oder der Budgetstand über die Zeit, wie in Abbildung 2 gezeigt, graphisch dargestellt. Eine Tabellenkalkulation, z. B. Excel liefert hier gute Dienste.

Earned Value Analysis

Obwohl schon seit den sechziger Jahren verwendet - vornehmlich in militärischen Projekten und bei der NASA - erlebt die Earned Value Analysis (EVA) in den letzten Jahren eine gewisse Renaissance. Seit einiger Zeit ist dieses Controlling-Instrument auch im "Guide to the Project Management Body of Knowledge" [2] fest verankert.

Basis dieses Controlling-Werkzeugs ist die monetäre Bewertung des Fertigstellungsgrads (Earned Value). Die deutsche Übersetzung laut DIN 69903 ist der "Fertigstellungswert". Oft findet man auch den Begriff des "Leistungswerts". Mit anderen Worten: Wie viel Leistung habe ich für mein Geld bekommen?

Mathematisch ausgedrückt ist der Earned Value die Multiplikation des Werts des gesamten (geplanten) Projektbudgets (BAC - Budget at Completion) mit dem Fertigstellungsgrad (FFG in Prozent) zum Berichtszeitpunkt. EV = BAC*FFG. Eine Übersicht über die in einer EVA verwendeten Kennzahlen zeigt Abbildung 3.

EVA kann helfen

Was ist überhaupt anders als bei der "klassischen" Betrachtung von Budgetverlauf und Ist-kosten? Der entscheidende Unterschied ist die monetäre Bewertung des Projektfortschritts. Erst dadurch wird der Wert mit den Plan- und Istkosten direkt vergleichbar, da diese beiden auf Währungseinheiten beruhen. Die Earned Value Analysis hilft vor allem bei:

Dazu stellt die Earned Value Analysis zum Berichtszeitpunkt folgende Kennzahlen gegenüber:

Der Nutzen dieses Kennzahlensystems ist, dass sich allein durch Eingabe des Projektbudgets (BAC), dem Start-/Endetermin, des Fertigsstellungsgrads und der Istkosten (AC) alle weiteren Kennzahlen des Projekts zeitlicher und monetärer Art ableiten lassen. Sie geben Aufschluss über den Fortschritt des Projekts (siehe Abbildung 4).

Die EVA-Kennzahlen im Überblick

Ausgangswert in diesem Beispiel ist zum einen das geplante Projektbudget (BAC) von 100.000 Euro und eine Projektdauer von 6 Monaten. Unter der Annahme, dass nach einem Monat, zum ersten Berichtszeitpunkt, 20.000 Euro ausgegeben wurden und ein Fertigstellungsgrad von 17 % erreicht wurde, ergeben sich dadurch alle weiteren Kennzahlen der EVA.

Trägt man die Daten des jeweiligen Berichtszeitpunkts über eine zeitliche Periode hinweg in ein Diagramm ein, ergibt sich dadurch die in Abbildung 5 dargestellte "Fieberkurve" des Projekts.

In diesem Beispiel erkennt man deutlich, dass die Kurve für das zu erwartende Projektbudget schon zum Datum des ersten Berichtszeitpunkts über dem geplanten (100.000 Euro) liegt. Der Anstieg der Kurve weist darauf hin, dass zu schnell Geld ausgegeben wird. Dies sieht man auch daran, dass die Kurve für die Istkosten permanent über der Kurve der Plankosten und des Fertigstellungswerts liegt. Wobei letztere die Plankosten bereits früh schneidet und dauerhaft drunter bleibt. D.h. der Arbeitsfortschritt hinkt ständig hinterher.

Neben dem o.g. Kostenverlauf existieren noch zwei andere Kennzahlen, die weiteren Aufschluss über den Verlauf des Projekts geben:

Idealerweise liegen beide Indizes bei 1. Dadurch weiß ein Controller, dass die geplanten Mittel und Ressourcen auch benötigt werden. Im Hinblick auf das Multiprojektcontrolling ist das IT-Management auf diese Information angewiesen, wenn zusätzliche Mittel (CPI < 1) erforderlich sind oder freiwerdende Mittel (CPI > 1) bzw. Ressourcen (SPI > 1) zur Disposition stehen.

Trägt man auch hier wiederum beide Werte über eine zeitliche Periode in ein Diagramm ein, ergibt sich für das o.g. Beispiel der in Abbildung 6 dargestellte SPI/CPI-Verlauf des Projekts.

Die blaue Kurve (SPI) beinhaltet die Information, dass das Projekt zunächst rasch voran geht. Dann verzögert es sich, SPI schneidet die 1 zwischen M2 und M3. Und letztlich, wenn auch knapp, bleibt es nicht im Terminrahmen. Die rote Kurve (CPI) sagt aus, dass das Projekt schon zu Beginn zu viele Kosten verschlingt. Dieser Trend setzt sich während des gesamten Projekts so fort. (CPI pendelt um 0,8), sodass es am Ende insgesamt teurer wird als geplant.

Fazit

Werden Kennzahlenwerte professionell aufbereitet, z. B. nach anerkannten Methoden wie Earned Value Analysis, so entstehen Berichte für das Management, die auf einer nachvollziehbaren und damit verständlichen Systematik basieren. Projektcontrolling leidet oft zu Unrecht unter dem Vorurteil, bürokratischer Ballast zu sein. Dabei hilft der Projektcontroller durch pragmatische Anwendung von Kennzahlen und dem Einsatz von Controlling-Werkzeugen dem Projektleiter bei der Navigation, wie ein Lotse dem Kapitän eines Schiffes.

Rainer Restat (info@ordix.de).