Editorial ORDIX® news 1/2019

Groß und klein

Gute Nachricht: Die Arbeitslosenzahl ist so niedrig wie noch nie seit der Wiedervereinigung, im April gab es mehr als 45 Millionen Beschäftigte in Deutschland.

Schlechte Nachricht(en): Bayer, ThyssenKrupp, VW, Daimler, Siemens, Deutsche Bank, Commerzbank, RWE, EON usw. drohen jeder mit der Entlassung von mehreren Tausend Beschäftigten. Da kommen schnell hohe sechsstellige Zahlen zusammen.

Wie passen die beiden Nachrichten zusammen? Relativ einfach, ein gesunder Mittelstand und viele sorgsam operierende Unternehmer in Deutschland fangen die Misswirtschaft von angestellten Managern mit überdimensionierten Gehältern auf. Ganz nebenbei vernichten diese Manager viele Milliarden Euro von gutgläubigen Anlegern (allein jüngst bei Bayer, VW oder auch Daimler).

Was fällt der Politik dazu ein? Nun, unser Wirtschafts- und Finanzminister hätten gerne noch größere Konzerne (Bankenzusammenschlüsse, ThyssenKrupp + Tata, Siemens und Alstom, vielleicht BMW/Daimler usw.), weil das wirklich viel bringt, natürlich auch Steuereinnahmen, denn die großen Konzerne versteuern ja überall richtig brav ihre Gewinne. Im Gegenzug werden viele kleine und mittlere Unternehmen durch immer mehr Vorgaben, Verpflichtungen und unsinnige Bürokratie, aber auch durch die Konzerne gegängelt.

Sehr vieles bei uns ist rückwärtsgewandt – das beginnt bei der Diskussion über E-Autos. Der Diesel wird doch nicht durch E-Autos von heute auf morgen abgeschafft, aber wir brauchen dringend eine weitere Alternative neben Diesel und Benziner. Und zwar jetzt, nicht erst in fünf, zehn oder gar zwanzig Jahren. Und diese muss CO2-neutral sein, zumindest zum Zeitpunkt der Fahrt. Dass die großen deutschen Automobilkonzerne in ihrer Raffgier den Zug der Zeit verschlafen haben (s.o.), ist eigentlich deren Problem (leider nicht nur).

Das Vorgehen, nichts Neues oder Radikales zu wagen, geht weiter beim Thema Braunkohle und dem Ausstieg aus dem Abbau und Alternativen bei der Energiegewinnung. Aber, ach, die Arbeitsplätze müssen erhalten bleiben. Warum wird dann vor allem den Energiekonzernen das Geld in den Rachen geschmissen? Stoppt den Abbau so schnell wie möglich und gebt das Geld denen, die dann keine Arbeit mehr haben, aber nicht den Konzernen!

Hat in Berlin einmal einer darüber nachgedacht, wie viele Arbeitsplätze im Bereich Solarenergie in den letzten Jahren durch die Politik kaputt gemacht wurden? Diese Arbeitsplätze wären zukunftsorientiert gewesen, jetzt jammern alle darüber, dass Solartechnik fast nur noch aus China kommt.

Warum werden z.B. keine Smartphones in Deutschland produziert oder hergestellt? Was Apple, Samsung oder Huawei können, sollte doch hier auch klappen. Aber wir Deutschen überlegen immer zuerst, wenn was Neues kommt, warum es nicht kommen kann, siehe Windenergie, Solartechnik oder eben auch E-Autos.

Ich kann mich des Gefühls nicht erwehren, dass sich die meisten (insbesondere Ältere) am liebsten in ihr Schneckenhaus zurückziehen und hoffen, dass alles so bleibt, wie es vorgestern war. Und wenn die Jugend endlich mal aktiv wird und friedlich Protest anmeldet (Friday’s for Future), werfen ihnen unsere Politiker vor, dass sie die Schule schwänzen und das reale Leben „erfahrenen“ Menschen überlassen sollen1). Danke Herr Lindner, solche Klugscheißer habe ich Anfang der 70er auch ungemein geschätzt, ach, da waren Sie ja noch nicht mal geboren!

Dann widme ich mal die nächsten Sätze den Profis, die die Artikel in dieser ORDIX® news geschrieben haben. Vieles hat dieses Mal mit Software-Entwicklung, anderes mit Betriebsaspekten zu tun. Insbesondere um das Stichwort JSON drehen sich gleich zwei Artikel (MySQL Document Store und JSON in Oracle).

Bei Oracle beschäftigen wir uns mit neuen (Polymorphic Table Functions), aber auch mit alten (Analytische Funktionen) Features. Und ein Artikel zu Standardverfahren in APEX und das Dateihandling sind ebenfalls im Angebot.

Neben Oracle, MySQL (und NoSQL) sind wir noch mit folgenden Datenbanken vertreten: Cassandra und PostgreSQL. Cassandra betrachten wir unter dem betrieblichen Aspekt und bei PostgreSQL beschreiben wir im ersten Artikel einer neuen Reihe einige Enterprise Features.

Last not Least finden Sie Interessantes zum Thema agile Software-Entwicklung (Module statt Microservices), zur Performance bei DataStage und sogar künstliche Intelligenz findet mit dem Artikel „AI meets Fintech“ einen Eingang in die ORDIX® news – obwohl ich immer noch ein Befürworter der menschlichen Intelligenz bin, selbst wenn ich nicht der Erfinder des gesunden Menschenverstandes bin2).

Wenn Sie das lesen, waren Sie und ich hoffentlich zur Europawahl gegangen und haben Ihr Kreuz für ein wirklich starkes, gemeinsames Europa gemacht, womit Rechtspopulisten ausscheiden.

Viele Grüße

wk schr sw
Wolfgang Kögler

1) Von Kindern könne man nicht erwarten, dass sie alle globalen Zusammenhänge sehen. Das sei vielmehr „eine Sache für Profis“. (Quelle: https://www.derwesten.de/politik/christian-lindner-ueber-guido-reil-und-die-afd-das-ist-ein-schlechter-charakterzug-id218398521.html)
2) Den Titel hat sich ja schon unser geehrter Verkehrsminister Scheuer selbst verliehen. Nur erstaunlich, dass viele studierte und wissenschaftlich arbeitende Menschen anderer Meinung sind, sofern sie nicht von VW, BMW oder Daimler bezahlt werden